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Dienstag, 29. Januar 2013

Energiebotschafter

Wenn die Energiescouts kommen

Wie kann ein Unternehmen Energie einsparen? Michael und Dominik werden Industriemechaniker, Jessica technische Produktdesignerin und Laura Kauffrau für Bürokommunikation. Die vier Auszubildenden haben ganz unterschiedliche Berufswege eingeschlagen. Doch diese Frage interessiert sie alle.

Drei Auszubildende Drei der vier Energiescouts von ebm-pabst Foto: Judith Affolter

Die vier Auszubildenden sind die Energiescouts des Ventilatoren-Herstellers ebm-papst im baden-württembergischen Mulfingen. Sie durchforsten den Betrieb von oben bis unten, um aufzuspüren: Wo entweicht Wärme? Wo geht Energie verloren? Für ein so großes Unternehmen wichtige Fragen. Die Firma zahlt für Strom jährlich mehr als drei Millionen Euro. 

Die Energiescouts haben einiges in Bewegung gebracht: "Mit ihrer Hilfe konnte ebm-papst bisher pro Jahr etwa 100.000 Euro an Energiekosten einsparen", erläutert Lisa Bahr. Sie ist eine der ersten Energiescouts und betreut das Ausbildungsprojekt. Die Idee hatte ursprünglich der Umweltbeauftragte im Unternehmen. Ähnlich den Energiedetektiven in Schulen sollten die Auszubildenden im Werk Energieverluste aufspüren. Eigenständig haben sie aus dieser Idee ihr Projekt entwickelt.

Der Weg zum Energiescout 

Energiescout zu sein, heißt während der Ausbildung im Betrieb zusätzlich Kenntnisse über den effizienten Umgang mit Energie zu erwerben. Denn Energiesparen bedeutet, Ressourcen und Kosten sparen. Die jungen Leute, die heute bei ebm-papst Energieschwachstellen aufstöbern, sind die zweite Generation von Energiescouts. Sie werden ihr Amt in diesem Jahr an die nächste Generation weitergeben. 

Undichte Stellen haben keine Chance 

Was machen die Energiescouts konkret? Das erläutern sie bei einem Rundgang durch die Produktionshalle. Unzählige Montagebänder transportieren Bauteile von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz. Motoren treiben Bänder an. Michael misst mit einer Wärmebildkamera die Temperatur eines Motors. "Ist sie zu hoch, läuft der Motor nicht effizient. Dadurch geht Energie in Form von Wärme verloren", erklärt der junge Mann. 

An vielen Arbeitsplätzen wird mit Druckluft gearbeitet. Sie wird in speziellen Leitungen an die Arbeitsplätze geführt. Leitungen, die verbunden sind durch Verteiler, Kupplungen, Ventile. "Überall können undichte Stellen entstehen, zum Beispiel durch den Verschleiß von Dichtungen", weiß Dominik. Mit einem Druckluftmessgerät kann er diese Stellen aufspüren – Leckagen lautet der Fachbegriff.

Auch hier gilt: Undichte Stellen bedeuten Energieverlust. Der Leckage-Anteil der Druckluftversorgung liegt weit unter dem Durchschnitt ähnlicher Anlagen. 100 bis 150 undichte Stellen entdecken und reparieren die Auszubildenden trotzdem jährlich.

Energieeffizienz gehört zur Unternehmensphilosophie 

Manchmal mussten die vier darum kämpfen, bei den Kolleginnen und Kollegen im Betrieb Gehör zu finden. Sie haben gelernt: eingefahrene Wege verlassen, bedeutet Überzeugungsarbeit zu leisten. Niemand wird gern bei der Arbeit gestört.

Doch die Energiescouts haben die Ausbildungs- und Unternehmensleitung hinter sich. Schon immer wird bei ebm-papst nach Wegen und Möglichkeiten gesucht, effizienter zu produzieren. "Jedes neu entwickelte Produkt muss seinen Vorgänger ökonomisch und ökologisch übertreffen", so Firmengründer Gerhard Sturm.

Gute Ideen in die Welt tragen

Die Energiescouts geben ihre Erfahrungen auch an andere Unternehmensstandorte weiter. Lisa Bahr und Michael Hofmann waren mit Messgeräten am Standort in Ungarn, um ihre Erfahrungen an die Kolleginnen und Kollegen dort weiterzugeben. Die Niederlassung St. Georgen hat bereits eigene Energiescouts.

Im letzten Jahr startete die Kampagne "Every day is a GreenDay" erfolgreich - eine Idee der Energiescouts. Innerhalb eines Jahres sollte eine ebm-papst-Niederlassung nach der anderen - 17  gibt es weltweit - eine "grüne Woche" organisieren. Die Ziele: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Themen Energie und Umweltschutz zu sensibilisieren. "GreenTech", die Leitlinie der Firma, verbunden mit dem Nachhaltigkeitsgedanken stärker im Unternehmen zu verankern.

Die Kampagne endet im März dieses Jahres. Dann hat die jüngste Generation der Energiescouts sicher wieder neue Ideen, die Aktion fortzuführen. Die jungen Leute wissen: Es geht nicht nur um das Unternehmen, es geht um ihre eigene Zukunft.