Mittwoch, 23. Januar 2013
Arbeitsmarkt
Fachkräftesicherung kommt voran
Der Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung zeigt Erfolge auf: Die Erwerbsbeteiligung ist gestiegen und ausländische Fachkräfte können leichter zuwandern. Doch es gibt auch in Zukunft noch viel zu tun, um den Fachkräftebedarf zu sichern.
Die positive Arbeitsmarktentwicklung führt zu einer steigenden Nachfrage nach Fachkräften
Foto: Burkhard Peter
Das Bundeskabinett hat den Fortschrittsbericht 2012 zum Fachkräftekonzept beschlossen. Darin werden Angebot und Nachfrage auf dem deutschen Arbeitsmarkt genau untersucht, um Strategien und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel zu entwickeln. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) führt dazu ein so genanntes Arbeitsmarktmonitoring durch. Studien und die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit erlauben einen detaillierten Blick auf die aktuelle Fachkräftesituation.
Bei der Vorstellung des Berichts erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen: "Deutschland ist eine der führenden Wirtschaftsnationen in der Welt. Diesen Platz können wir auf Dauer nur halten, wenn unsere Unternehmen auch in Zukunft Fachkräfte mit den gefragten Qualifikationen und in ausreichender Zahl finden. Es zahlt sich aus, diesem wichtigen Thema mit einer langfristigen Strategie zu begegnen, die systematisch alle Potenziale im In-und Ausland erschließt."
Erwerbsbeteiligung ist gestiegen
Der Fortschrittsbericht zeige, dass die Erwerbsbeteiligung gestiegen ist. Die positive Arbeitsmarktentwicklung habe zu einer steigenden Nachfrage nach Fachkräften geführt. "Wir sind besser und schneller, als vor einigen Jahren absehbar, aber wir haben noch viel vor uns. Wenn wir nicht etwas ändern, fehlen uns 2025 rund sechs Millionen Fachkräfte" sagte die Ministerin.
Die Wirtschaft spüre dies deutlich, denn es werde immer schwieriger, Arbeitskräfte zu finden. Dadurch blieben freie Stellen längere Zeit unbesetzt.
Im November 2012 waren 41,94 Millionen Menschen erwerbstätig. Das sind 245.000 mehr als vor einem Jahr. Die Erwerbstätigkeit hat seit 1991 kontinuierlich zugenommen, damals waren 38,77 Millionen Menschen im Arbeitsmarkt.
Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist in allen Bundesländern gewachsen. Im Oktober 2012 waren 29,44 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 406.000 Personen mehr als im vergangenen Jahr.
Mehr Ältere und Frauen in Arbeit
Die Erwerbstätigenquote der Älteren beträgt 62 Prozent. Die Zielmarke für das Jahr 2020 von 60 Prozent ist bereits erreicht. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Anreize zur Frühverrentung beseitigt wurden.
Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist auf 72 Prozent gestiegen. Hier liegt die Zielmarke für das Jahr 2020 bei 73 Prozent.
Umfassende Fachkräfte-Offensive
Das Bundesarbeitsministerium, das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesagentur für Arbeit haben im Juni 2012 eine Fachkräfte-Offensive gestartet. Diese Offensive unterstützt Unternehmen dabei, ihren Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken. Und sie hilft Fachkräften, sich erfolgreich am Arbeitsmarkt zu positionieren.
Ein entsprechendes Online-Portal wurde eingerichtet. Es richtet sich an inländische Fachkräfte und Unternehmen. Das Portal informiert auch über bestehende Beratungs- und Unterstützungsangebote.
Gleichzeitig wurde ein zweisprachiges Willkommens-Portal ins Leben gerufen. Es informiert über Leben und Arbeiten in Deutschland. Zu 80 Prozent nutzen es ausländische Besucher. Außerdem werden kommunale "Welcome-Center" aufgebaut. Sie unterstützen Zuwanderer, wichtige Alltagsfragen zu klären, wie zum Beispiel den Schulbesuch und die Kinderbetreuung vor Ort.
Qualifizierte Zuwanderer willkommen
Im April 2012 ist bereits das Anerkennungsgesetz in Kraft getreten. Dadurch haben sich die Verfahren vereinfacht, mit denen im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen festgestellt und in Deutschland anerkannt werden. Über das Internetportal www.anerkennung-in-deutschland.de kann man sich informieren. Arbeitgebern und Kammern hilft das Portal www.bq-portal.de dabei, wie die ausländische Qualifikation zu bewerten ist.
"Blaue Karte EU" hilft Studierenden und Absolventen
Seit August 2012 ist es auch für ausländische Studierende und Studienabsolventen deutscher Hochschulen leichter, in Deutschland zu arbeiten. Inhaber einer "Blauen Karte EU" erhalten grundsätzlich nach 33 Monaten eine Niederlassungserlaubnis, wenn ein Arbeitsvertrag fortbesteht. Bei guten deutschen Sprachkenntnissen können sie sich schon nach 21 Monaten niederlassen.
Bewerber für die "Blaue Karte EU" müssen einen Hochschulabschluss nachweisen. Zusätzlich gilt das Gesetz zur Umsetzung der Hochqualifizierten-Richtlinie für Ausländer, die in Deutschland eine qualifizierte Berufsausbildung absolviert haben.
Ein neues, mit 139 Millionen Euro ausgestattetes Sonderprogramm (MobiPro) gibt jungen Europäern zudem die Möglichkeit, in Deutschland eine betriebliche Berufsausbildung zu machen.
Weitere Anstrengungen nötig
Der Fortschrittsbericht zeigt, dass noch mehr getan werden muss, um den Fachkräftebedarf zu sichern. Das gilt vor allem für die Arbeitszeit von Frauen. Es wäre wünschenswert, wenn es für sie mehr Vollzeit-Stellen gäbe. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss gestärkt werden, indem mehr Betreuungsangebote für Kinder eingerichtet werden.
Im Fortschrittsbericht wird gefordert, dass die Bildungsangebote für Kinder noch verbessert werden. Auch Arbeitnehmer sollen sich verstärkt weiterbilden. Ohne Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften wird es jedoch schwierig, die Fachkräftebasis in Deutschland zu sichern, so die Bilanz des Berichts.
Weil in Deutschland ein Mangel an Fachkräften droht, hat die Bundesregierung die Maßnahmen aller Ressorts in dem Bereich Fachkräftesicherung in einem Fachkräftekonzept gebündelt. Es wurde im Juni 2011 beschlossen. Alle Ressorts haben Maßnahmen eingebracht, um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen. Jedes Jahr wird überprüft, ob die aufgestellten Ziele erreicht wurden. Die interministerielle Arbeitsgruppe "Fachkräfte der Zukunft" unter Federführung des BMAS hat die Fortschritte geprüft. In dieser Arbeitsgruppe sind alle betroffenen Ressorts vertreten.
