Theoretische Fundamente und Vernetzung
Intellektueller Knotenpunkt der christlichen Umweltbewegung war das „Kirchliche Forschungsheim Wittenberg“ (KFHW), das dem Thema "Umwelt" vor allem durch ethisch-theoretische Auseinandersetzung Öffentlichkeit verschaffte. Durch die Aufschrift "Nur für den innerkirchlichen Dienstgebrauch" vor staatlicher Zensur geschützt, konnte es Schriften produzieren und verbreiten – etwa die "Briefe zur Orientierung im Konflikt Mensch-Natur". Im "Erde-Kreis", der sich ab 1977 drei- bis viermal im Jahr traf, kamen Techniker, Mediziner, Biologen, Mathematiker und Theologen aus der ganzen DDR zusammen.
Das Werk "Die Erde ist zu retten", Ende der 70er Jahre erschienen, wurde für viele umweltengagierte Christen zum Kompass und erschien bis 1988 in fünf Auflagen. In Ost und West verteilt wurde "Pechblende" aus demselben Jahr. Michael Beleites, seit 1982 von der Stasi verfolgt, hatte darin als 24-Jähriger die Gefahren des Uranbergbaus dokumentiert. Videoaufnahmen uranhaltiger Halden, von Wassereinleitungen und Schlammbergen gelangten sogar in die ARD-Sendung "Kontraste".
Ab 1981 fand auf Initiative des Kirchlichen Forschungsheims Wittenberg jährlich an einem Wochenende um den 5. Juni, dem UN-Weltumwelttag, die Aktion "Mobil ohne Auto" statt. Nichtreligiöse Menschen wollte man mit einer Ausstellung ansprechen, die in touristisch interessanten Kirchen wie der Kreuzkirche in Dresden oder dem Bad Doberaner Kloster zu sehen war.
1983 waren schon fast 30 Umweltgruppen, 1988 an die 80 Umweltgruppen beim KFHW registriert. Darin waren, so schätzt man, 550 bis 850 Personen aktiv.
Umweltschutz vor Ort
Die Umweltprobleme vor Ort zu thematisieren, war auch das Anliegen der "Arbeitsgruppen Umwelt" oder "Interessengemeinschaften Stadtökologie". Sie hatten sich in den 80er-Jahren von der "Gesellschaft für Natur und Umwelt" abgespalten, einer Fachorganisation innerhalb des staatlichen "Kulturbunds". Die Gesellschaft Natur und Umwelt war die Antwort von oben auf das wachsende Umweltinteresse.
Die Interessengemeinschaftgen Stadtökologie existierten in vielen Städten und verstanden sich als umweltpolitische Bürgerinitiativen. Ihr Ziel: eine ökologischere Arbeits- und Lebensweise – besseres Recycling, Gewässerschutz, weniger Bodenversiegelung. Mit Plakaten, Faltblättern, Vortragsabenden versuchten sie, das Umweltbewusstsein im Alltag zu schärfen und Aktionen zu starten. Auch diese Gruppierungen waren im Visier der Staatssicherheit und wanderten auf einem schmalen Grat zwischen Duldung und Repression.
