Dienstag, 20. November 2012
Studienfinanzierung
Fast 11.000 Begabte erhalten Deutschlandstipendium
Das Deutschlandstipendium hat sich anderthalb Jahre nach seiner Einführung zu einer festen Größe in der Studienfinanzierung entwickelt. Die Zahl der Stipendien hat sich 2012 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.
300 Euro mehr im Monat
Foto: Sven Ehlers
2012 kamen 10.997 Stipendiaten in den Genuss der Zuwendung, 2011 waren es 5.375. Damit ist jedes vierte öffentlich geförderte Stipendium für Studierende ein Deutschlandstipendium. Seit Beginn des Programms sind 30 Millionen Euro an privaten Mitteln dafür eingeworben worden.
Zwei Drittel der Hochschulen machen mit
Die Studierenden werden mit 300 Euro im Monat gefördert. 150 Euro übernimmt der Bund, die andere Hälfte wirbt die Hochschule über private Förderer ein.
263 von insgesamt 388 Hochschulen beteiligen sich an der Vergabe des Deutschlandstipendiums. Von diesen 263 haben 104 die Höchstförderquote von einem Prozent der Studierenden erreicht.
"Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", erklärte Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Er freue sich, dass sich so viele Unternehmen, Stiftungen und Privatleute am Deutschland-Stipendium beteiligten.
Bereitschaft, Verantwortung, soziales Engagement zählen
Mit dem Deutschlandstipendium werden besonders begabte Studierende aller Nationalitäten unterstützt. Dabei kommt es nicht nur auf die schulischen Erfolge und universitären Leistungen an. Auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, soziales Engagement oder besondere persönliche Umstände werden berücksichtigt.
Mindestens gefördert werden zwei Semester, maximal die Regelstudienzeit. Grundsätzlich werden alle Studienfächer einer staatlich anerkannten Hochschule gefördert. Mindestens ein Drittel der Stipendien muss frei verfügbar bleiben. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass nur wirtschaftsorientierte Studiengänge profitieren, die Geisteswissenschaften aber außen vor bleiben.
"Die Idee ist nicht, bestimmte Fächer zu fördern, sondern jungen Menschen das Studium zu ermöglichen", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan im April in Berlin.
Sogar der Bürgermeister hilft beim Spendensammeln
Für private Förderer sei das Deutschlandstipendium eine attraktive Alternative gegenüber Sachleistungen für die Hochschule. Das sagt der Präsident der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Wilhelm-Günther Vahrson. In Eberswalde helfe sogar der Bürgermeister beim Spendensammeln.
Deutschland-Stipendiat zu sein ist ehrenvoll
Die Johann-Wolfgang-von Goethe-Universität in Frankfurt hat ein Mentorenprogramm gestartet. Fachübergreifend entwickeln Stipendiaten gemeinsam mit Mentoren Projekte, die der ganzen Region zugute kommen. Darin geht es zum Beispiel um studentisches Wohnen oder Gewaltprävention in Fußballstadien.
Der Vize-Präsident der Frankfurter Universität, Manfred Schubert-Zsilavecz, berichtet, dass er zur Einweihung des Campus Riedberg alle Frankfurter eingeladen habe. Dabei habe er für das Deutschlandstipendium geworben. So seien beträchtliche Beträge von Privatleuten zusammengekommen. Viele hielten das Stipendium für eine gute Sache, würden aber sonst nie für eine Universität spenden. Deutschlandstipendiat zu sein, werde inzwischen als Ehre betrachtet.
Die Stipendien werden nach Begabung und unabhängig vom Einkommen der Eltern vergeben. Sie werden nicht auf das Bafög angerechnet und müssen nicht zurück gezahlt werden.
