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Dienstag, 30. Oktober 2012

Hochschulbildung

Startschuss für islamisches Ausbildungszentrum

Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat in Münster das Zentrum für Islamische Theologie eröffnet. Dort werden Lehrer für Islamischen Religionsunterricht und Islamische Theologie, aber auch Religionsgelehrte für Moscheen ausgebildet.

Schulklasse: Muslimische Schüler über eine Arbeit gebeugt Rund 700.000 muslimische Schülerinnen und Schüler lernen an deutschen Schulen Foto: Burkhard Peter

Für den Studiengang Islamische Religionslehre stehen nach Angaben der Universität Münster/Osnabrück zunächst 120 Studienplätze zur Verfügung. Beworben hatten sich mehr als 400 Studienanfänger.

Meilenstein für Integration

"Wir wollen einen Beitrag zur Weiterentwicklung der islamischen Theologie leisten", erklärte Schavan. "Ich bin mir sicher, das ist auch ein Meilenstein zur Integration."

In Deutschland leben etwa vier Millionen Muslime. Sie bilden nach evangelischen und katholischen Christen die drittgrößte religiöse Gruppe in Deutschland.

Erstes Bundesland mit Islamunterricht

Einer der Gründe für das große Interesse an der Einführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts: Nordrhein-Westfalen bietet ihn als erstes Bundesland seit Beginn des neuen Schuljahres für die rund 320.000 muslimischen Schüler an.

Angesichts der insgesamt 700.000 muslimischen Schülern in Deutschland werden für eine flächendeckende Einführung des islamischen Religionsunterrichtes in Deutschland derzeit 2.000 Lehrkräfte benötigt.

Orientierungshilfe und Wertevermittlung

Religionsunterricht an Schulen bietet eine wichtige kulturelle und theologische Orientierungshilfe. Er vermittelt Ethik und Moral und fördert die Identitätsfindung von Kindern und Jugendlichen. Religionsunterricht fordert dazu auf, sich mit Werten auseinanderzusetzen. In einer vielfältigen Gesellschaft ist das eine entscheidende Voraussetzung, um den notwendigen Dialog der Kulturen zu führen. Zugleich sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten besser erkannt werden.

In Deutschland sind unterschiedliche Strömungen des Islam vertreten. Der Leiter des Zentrums für islamische Theologie in Münster, Mouhanad Khorchide, möchte deshalb vor allem den Islam mit der Moderne versöhnen.

"Es ist wichtig, zu fragen: Wie können wir hier einen Islam vermitteln, der in Harmonie steht mit der Lebenswirklichkeit der Menschen in Europa, in Deutschland. So dass gerade junge Menschen nicht vor der Wahl stehen: entweder bin ich Deutscher oder Muslim. Wir streben das Sowohl als auch an", erklärte Khorchide.

Im Herbst 2010 hat der Wissenschaftsrat Tübingen und Münster/Osnabrück als Zentren für Islamische Theologie zur Förderung empfohlen, im Frühjahr 2011 folgten Frankfurt/Gießen und Erlangen-Nürnberg. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert deshalb über fünf Jahre mit rund 20 Millionen Zentren für Islamische Theologie an den vier Standorten Münster/Osnabrück, Tübingen, Frankfurt/Gießen und Nürnberg-Erlangen.