Montag, 15. Oktober 2012
Hochschulbildung
Grenzenlos studieren
Am 22. Oktober ist es soweit: Jeweils 40 Studierende in Oldenburg und Groningen beginnen ihr grenzüberschreitendes Medizinstudium. Diese länderübergreifende Kooperation der Universitäten ist bislang einmalig in Deutschland.
Universität Oldenburg mit neuer medizinischer Fakultät
Foto: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Wenn die Studierenden nach ihrer vorlesungsfreien Zeit Ende Oktober wieder an die Universitäten strömen, wird die Universitätslandschaft in Deutschland ein wenig bunter sein. Zum Wintersemester 2012/2013 gibt es in Oldenburg (Niedersachsen) eine neue medizinische Fakultät.
Lange Tradition in der Zusammenarbeit
Mit der Gründung der European Medical School Oldenburg-Groningen schreiben die beiden Partnerstädte aus Deutschland und den Niederlanden eine lange Tradition fort. Schon seit 1989 besteht ein Partnerschaftsvertrag und eine enge wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit der beiden Städte. Diese Verbindungen kommen auch der neuen medizinischen Fakultät zugute. "Unsere Zusammenarbeit war von Beginn an von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Nur so wurde dieses in Europa einzigartige Kooperationsprojekt überhaupt möglich", bekräftigt Babette Simon, Präsidentin der Universität Oldenburg.
Zwillings-Studiengänge mit Doppelabschluss
Die Studierenden verbringen mindestens ein Jahr an der Partneruniversität. In Oldenburg studieren sie auf Deutsch, in Groningen auf Englisch und Niederländisch. Diese europäische Vielfalt zeigt sich auch in der Ausgestaltung des Studiums. Die Studierenden erhalten am Ende ihres Studiums einen Doppelabschluss, mit dem sie europaweit ins Berufsleben einsteigen können: Das deutsche Staatsexamen in Oldenburg und den Master of Science in "Geneeskunde" in Groningen. "Inhaltlich sind diese beiden Studiengänge jedoch exakt identisch – wie eineiige Zwillinge", stellt Eckhart Hahn, Dekan der neuen Fakultät, fest.
Seit den 1970er Jahren gab es in Oldenburg immer wieder Bestrebungen, eine medizinische Fakultät einzurichten. Im Sommer 2012 legte der niedersächsische Landtag nun die Grundlage für den Aufbau der European Medical School.
Ein neues Lehrkonzept sieht vor, den Studierenden ab dem ersten Semester neben dem theoretischen Wissen auch praktische Kenntnisse mitzugeben. Jede Woche werden sie mit Patienten arbeiten und auch schon sehr früh in Arztpraxen tätig sein.
Interview mit zwei Studienanfängerinnen
Bundesregierung.de sprach mit den angehenden Studentinnen Lena (17 J.) und Luiza (18 J.) über ihre Ziele und das grenzüberschreitende Studium. Beide Abiturientinnen haben Ende August erfolgreich das Auswahlverfahren bestanden.
Bundesregierung.de: Hartelijke gelukwensen, herzlichen Glückwunsch. Am 22. Oktober starten Sie in Ihr Medizinstudium. Wie kamen Sie darauf, grenzüberschreitend in Oldenburg und Groningen zu studieren?
Lena: Der Studiengang hat mich sehr angesprochen. Es ist ein Modellstudiengang mit patienten- und fallbezogenem Unterricht, von dem ich mir mehr erhoffe, als nur trockenes Lernen!
Bundesregierung.de: Was erwarten Sie sich von der Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen?
Luiza: Ich freue mich darauf, ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen und somit Verbesserungen im deutschen System vorschlagen zu können. Außerdem erhoffe ich mir bessere Möglichkeiten auf dem internationalen Jobmarkt.
Lena: Mich reizt der Austausch von Informationen und die Möglichkeit, die vorhandenen Materialien in Groningen nutzen zu können. Und natürlich ist es reizvoll, eine neue Sprache und das Land dazu kennenzulernen.
Bundesregierung.de: Können Sie sich vorstellen, später auch im europäischen Ausland zu arbeiten?
Luiza: Ja, das kann ich mir definitiv vorstellen!
