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Dienstag, 14. August 2012

Gesellschaftliches Engagement

Zehntausendster Senior Experte

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel hat in Berlin den zehntausendsten Senior Experten in den Einsatz entsandt: nach Mexiko. Die Expertinnen und Experten sind ehrenamtlich tätig - auch in den Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit.

Senior Experte erläutert die Wartung von Werkmaschinen Ein SES-Experte vermittelt Fachwissen in Äthiopien Foto: SES

Aufs Altenteil gehen, einfach die Beine hochlegen, Urlaub machen und Golf spielen? Nein, das ist für viele hochqualifizierte Fachleute undenkbar: Sie schulen angehende Ingenieure in der Mongolei, trainieren Chirurgen und medizinisches Personal in China oder Afrika, bringen ein Bauprojekt in Angola oder eine Fleischerei in Ruanda in Schwung. Sie stehen in Afrika, Lateinamerika oder Osteuropa helfend neben der Schul- oder Werkbank und geben Projekten und Firmen Anschubhilfe.

Die Rede ist von den Tausenden "Unruheständlern" aus unterschiedlichsten Berufen, die für den Senior Experten Service (SES) tätig sind – ehrenamtlich wohlgemerkt.

Maschinenschlosser in Mexiko

Auch Ulrich Mang ist einer, der weiterhin aktiv bleiben und seine langjährige Berufserfahrung mit Menschen aus anderen Kulturen teilen möchte. Der 65-jährige gelernte Maschinenschlosser ist eigentlich seit dem 1. Dezember 2011 im Ruhestand. Jetzt wurde er in Berlin von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel zu einem Einsatz nach Mexiko verabschiedet. Er ist der zehntausendste SES-Experte, der ehrenamtlich zum Einsatz kommt.

"Wir freuen uns, dass wir mit Hilfe des Senior Experten Service ein hohes Maß an Know-how in andere Länder transportieren können", sagte Niebel. "Dies ist ein Aushängeschild für Entwicklungskooperation und trägt zur Erhöhung der wirtschaftlichen Wertschöpfung der ausländischen Partnerunternehmen bei."

Von links nach rechts: Senior Experte Ulrich Mang, der mexikanische Botschafter Francisco N. González Díaz und Bundesminister Dirk NiebelBild vergrößern Niebel mit Senior Experte Mang (links) und Botschafter González Díaz (Mitte) Foto: BMZ/Magana

Spanisch per Smartphone

Mang wird nun für sechs Wochen als Qualitätsbeauftragter in einem kleinen Betrieb in Mexiko zum Einsatz kommen. "Ich wollte nicht die Füße hochlegen und mich vom Fernsehen berieseln lassen. Solange ich noch fit bin und mein Wissen unterbringen kann, nutze ich diese Gelegenheit", freut sich der Senior Experte auf die neue Herausforderung.

Das Kennenlernen neuer Kulturen sei ein weiterer reizvoller Aspekt. "Die südamerikanische Mentalität gefällt mir sehr gut und ich bin gespannt auf neue interessante Eindrücke." Auch möglichen sprachlichen Barrieren sieht er gelassen entgegen. "Ich lerne Spanisch mit einer App für mein Smartphone. Aber in der Maschinenbaubranche sind ja auch Zeichnungen üblich. Die versteht jeder."

Der mexikanische Botschafter Francisco N. González Díaz lobte die enge Zusammenarbeit mit dem SES und dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ). Der Einsatz von deutschen Fachkräften sei in seinem Land sehr wichtig und müsse auch in Zukunft vorangetrieben werden. "Die Expertinnen und Experten aus Deutschland sind mit ihrem Wissen wie Katalysatoren für unsere Unternehmen", sagte der Botschafter und dankte Niebel für die Unterstützung des Projekts in Mexiko.

Senior Experten Service
Motivierte und erfahrene Fachkräfte wie Ulrich Mang sind gefragt. Viele Seniorinnen und Senioren im Ruhestand sind auch in fortgeschrittenem Alter körperlich und geistig sehr leistungsfähig. Um diese Fähigkeiten zu fördern, wurde der SES 1983 unter Obhut des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und mit finanzieller Unterstützung des BMZ ins Leben gerufen.

Seitdem hat er mehr als 25.000 Einsätze in 160 Ländern durchgeführt. Mehr als 10.000 Ruheständler sind bei der Organisation registriert. Die Expertinnen und Experten aus über 50 Branchen arbeiten ehrenamtlich gegen Verpflegung, Unterkunft und eine Tagespauschale - vorwiegend in Asien, Europa und Afrika. Auch in Deutschland kommen sie zum Einsatz: Hier unterstützen sie Schüler und Auszubildende und arbeiten in kleinen und mittleren Unternehmen. Der Einsatz der Ruheständler dauert drei bis sechs Wochen, höchstens ein halbes Jahr.

Erfahrung weltweit gefragt

Für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sind die ehrenamtlichen Ruheständlerinnen und Ruheständler des SES zu unverzichtbaren Helfern geworden. Ihre jahrzehntelange Berufserfahrung ist weltweit gefragt. Im BMZ ist man sich sicher, dass der SES nicht mehr aus der Entwicklungszusammenarbeit wegzudenken ist.

Senior Expertinnen und Experten sind aber noch mehr: Sie sind Botschafter unseres Landes in vielen Ländern der Welt. Sie stehen für praktische Partnerschaft und gemeinsames interkulturelles Lernen. Sie bauen Brücken der Verständigung und sind mit ihrem freiwilligen Engagement ein Vorbild für zivilgesellschaftliches Handeln und Partizipation. Das BMZ ist der wichtigste Geldgeber des SES.