Freitag, 3. August 2012
Neues Zentrum für Jüdische Studien
"Deutsch-israelische Beziehungen so eng wie nie zuvor"
Den Jüdischen Studien in Deutschland ist es in den letzten Jahren gelungen, international wieder starke Beachtung und Anerkennung zu gewinnen. Durch das neue Zentrum für Jüdische Studien in Berlin-Brandenburg werden sie weiter gestärkt.
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Neue Synagoge in Berlin
Foto: picture-alliance/ dpa
Der erste Staatsbesuch von Bundespräsident Joachim Gauck führte ihn kurz nach seiner Wahl im Frühjahr nach Israel. Jüdisches Leben ist überall in Deutschland und in unserer Gesellschaft sichtbar und lebendig. Die christlich-jüdische Prägung ist das Fundament unserer Gesellschaft.
So wurden erst kürzlich jüdische Denkmäler in Deutschland für die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO nominiert: Berlin und Hamburg schlugen jüdische Friedhöfe als Stätten vor. Der israelische Botschafter in Berlin, Yaacov Hadas-Handelsmann nannte denn auch die deutsch-israelischen Beziehungen in einem Interview mit der Welt „so eng, wie wohl nie zuvor“.
Durch das neue Zentrum für jüdische Studien erhält nun auch die traditionelle starke Forschung über das jüdische Leben in Deutschland neue Impulse.
Jüdische Geschichte gestern und heute
Berlin als Zentrum der jüdischen Emanzipation zu erforschen, ist deshalb eines der Ziele des deutsch-jüdischen Zentrums Berlin-Brandenburg. Träger des Forschungsverbundes sind die Humboldt-Universität, die Freie Universität und die Technische Universität in Berlin, die Universität Potsdam, das Abraham Geiger Kolleg und das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien. Es sieht sich in der Tradition jüdischer Gelehrsamkeit des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. „Im Raum Berlin und Potsdam ist das gesamte Spektrum der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Judentum vertreten“, so Bundesbildungsministerin Annette Schavan.
Das Zentrum sieht es als seine Aufgabe an, alle Lehrangebote zu jüdischer Religion, Geschichte und Kultur im Berliner Raum zu koordinieren und übersichtlich zu präsentieren. Studierende sollen ein Fächerangebot bekommen, wie es für die christlichen und islamischen Theologien an anderen Hochschulen bereits besteht. In seinem ersten Schwerpunkt widmet es sich der jüdischen Geschichte, dem jüdischen Leben in Preußen und im aktuellen Berlin einschließlich der Shoa.
Zweiter Schwerpunkt ist der Trialog zwischen den drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam.
Gesellschaftliche Impulse
„Jüdische Studien gelten als eine akademische Erfolgsgeschichte. In Deutschland wie in den weiteren deutschsprachigen Ländern erfährt das Studium der jüdischen Lebenswelten beträchtlichen Zuspruch“, sagte Bundesbildungsministerin Schavan.
Der Direktor des Moses Mendelsohn-Zentrums in Potsdam, Julius Schoeps erwartet von dem Zentrum Impulse für das jüdische Leben, aber auch für die gesamte Gesellschaft. So sollten Antisemitismus, der Dialog mit Christentum und Islam oder die Integration von jüdischen Zuwanderern aus den GUS-Staaten debattiert und wissenschaftlich untersucht werden.
In Essen ist eine ehemalige Synagoge zur kulturellen Begegnungsstätte geworden. Über Gedenken und Erinnerung hinaus eröffnet das Projekt neue Perspektiven für die Beschäftigung mit dem Judentum in Deutschland. Pädagogische Programme ermöglichen Kindern ein altersgerechtes Kennenlernen jüdischer Kultur.
„Das europäische Judentum spielt in der Geschichte Europas eine zentrale Rolle“, sagte denn auch Schavan. Mit dem Forschungsverbund bekomme die Ausbildung von Kantoren, Rabbinern und Wissenschaftlern „einen wichtigen Schub“ und könne „international Ausstrahlung entfalten“.
Forschung und Lehre stärker gebündelt
Neben den drei Berliner Universitäten sind die Universität Potsdam sowie das Abraham-Geiger-Kolleg und das Moses-Mendelsohn-Zentrum in Potsdam am Zentrum für Jüdische Studien beteiligt. Die dort vertretene Forschung und Lehre zum Judentum soll künftig stärker gebündelt werden. Koordiniert wird der neue Verbund von der Berliner Humboldt-Universität.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Zusammenarbeit bis 2017 mit 6,9 Millionen Euro.
