Montag, 30. Juli 2012
Energie
Forschen für den Solarstandort Deutschland
Die Entwicklung der Photovoltaik (PV) geht mit einer Geschwindigkeit voran, wie man sie aus keinem anderen Energiesektor kennt. Daher braucht die Solarbranche rasche Innovationen. Diese sollen die Verfahren effizienter machen, den Wirkungsgrad der Anlagen erhöhen und die Herstellungskosten reduzieren.
Herstellung von Solarmodulen
Foto: BMU / transit / Busse
Die Bundesregierung hat deshalb 2010 die Innovationsallianz Photovoltaik ins Leben gerufen. Sie hat zum Ziel, Forschung und Entwicklung voranzubringen, damit noch kostengünstigere und technologisch bessere Produkte auf den Solarmarkt kommen. Das bietet nicht nur ökologische Vorteile und entlastet Verbraucher. Es stärkt auch die internationale Wettbewerbssituation der heimischen PV-Industrie. Denn die Branche steht zurzeit unter großem Druck, insbesondere vonseiten der chinesischen Produzenten.
Europäische Solarhersteller haben am 26. Juli 2012 bei der Europäischen Kommission in Brüssel eine Anti-Dumpingklage eingereicht, um gegen die Billigimporte aus China vorzugehen. Hinter dem Bündnis stehen 25 Firmen aus Deutschland, Italien, Spanien und anderen EU-Ländern..
Ziel der Klage in Brüssel ist nicht, die Preise für Solarmodule zu erhöhen, sondern den Preiskampf zu stoppen. Bundesumweltminister Peter Altmaier hat dem Verfahren seine Unterstützung zugesagt, wenn es Hinweise auf Wettbewerbsverzerrungen gebe.
Gemeinsame Forschungsförderung
Gleich zwei Ministerien, nämlich das Bundesumwelt- und das Bundesforschungsministerium, stellen für die Innovationsallianz Fördermittel von bis zu 100 Millionen Euro über drei bis vier Jahre zur Verfügung. Das Bundesumweltministerium (BMU) fördert die Forschung und Entwicklung mit jährlich weiteren 40 Millionen Euro.
Die PV-Industrie hat im Gegenzug zugesagt, 500 Millionen Euro für Investitionsmaßnahmen und weitere Forschungsleistungen einzusetzen. Durch dieses Programm, das auf schnelle praktische Umsetzung ausgerichtet ist, soll die Branche ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern und ausbauen.
Was wird gefördert?
Die Fördermittel fließen gezielt in industriegeführte Verbundprojekte, die Forschung, Anlagenbau und Produktion verknüpfen. Bei der Silizium-Wafertechnik sind das zum Beispiel Schritte von der Siliziumproduktion bis zur Fertigung der PV-Module. Als Wafer bezeichnet man runde oder quadratische, etwa ein Millimeter dünne Scheiben. Sie werden in der Regel als elektronische Bauteile eingesetzt
Kooperationen sollen außerdem zwischen Ausrüstungs- und Anlagentechnologieunternehmen sowie der PV-Industrie entstehen.
Von 117 eingegangenen Projektvorschlägen wurden 28 für eine Förderung ausgewählt. Das BMU hat innerhalb der Innovationsallianz Photovoltaik zehn Verbundvorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 33 Millionen Euro bewilligt.
Ein Forschungsverbund aus elf Firmen und 13 Forschungsinstituten beispielsweise hat sich zum Projekt Solar-WinS zusammengeschlossen. Koordiniert wird der Verbund durch das Freiburger Materialforschungszentrum (FMF) der Albert-Ludwigs-Universität und durch die Universität Konstanz. Er konzentriert sich auf die Frage nach dem Wirkungsgradpotenzial von multikristallinem Material. Denn beim Herstellen von Siliziumblöcken entstehen häufig Kristalldefekte, an die sich aus der Umgebung eingetragene Verunreinigungen anlagern. Dadurch sinkt die Stromausbeute. Ein Ansatz des Projekts ist, die Verunreinigung zu vermeiden und die Auswirkungen auf das Material zu messen. Das BMU fördert SolarWinS insgesamt mit rund 5,5 Millionen Euro.
Auf bewährte Tugenden setzen
Der Bundesumweltminister betonte mit Blick auf die Solarwirtschaft: "Deutsche Unternehmen haben – ebenso wie in anderen Branchen – ihre Stärken nicht in der Massenproduktion, sondern in Qualitätsprodukten und im Anlagenbau. Dafür sind Investitionen in Forschung und Entwicklung und die schnelle Anwendung der Erkenntnisse in der Produktion entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen."
