Donnerstag, 14. März 2013
Energiewende
Netzausbau beschleunigen
"Ein Erfolg beim Netzausbau ist nur möglich, wenn alle zusammenwirken: Bund, Länder und die Europäische Union", so Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bei der ersten Beratung des Gesetzes zum Bundesbedarfsplan im Bundestag. Planungs- und Bauzeiten für neue Netze sollen verkürzt werden.
Im nächsten Schritt wird ermittelt, wo die Trassen verlaufen
Foto: Burkard Peter
In Deutschland ändert sich die Struktur der Stromerzeugung in den kommenden Jahren erheblich: Erneuerbare Energien werden ausgebaut, die verbliebenen Kernkraftwerke bis 2022 abgeschaltet und konventionelle Kraftwerke an neuen Standorten errichtet. Das macht es nötig, Strom über weite Strecken zu transportieren.
Insbesondere der im Norden Deutschlands erzeugte Strom aus Windenergieanlagen und neuen konventionellen Kraftwerken muss zu den Verbrauchsschwerpunkten im Süden und Westen geleitet werden.
Die Bundesregierung hat deshalb im Dezember 2012 weitere Maßnahmen beschlossen, um den Stromnetzausbau zu beschleunigen. Kernstück ist der Bundesbedarfsplan. Er enthält alle notwendigen Modernisierungsmaßnahmen der nächsten zehn Jahre. Wenn Bundestag und Bundesrat zugestimmt haben, können die konkreten Planungen beginnen.
Bundesbedarfsplan sichert Stromübertragung
Der Bundesbedarfsplan schreibt 36 Vorhaben fest, die energiewirtschaftlich notwendig und besonders vordringlich sind. Der Plan basiert auf dem zehnjährigen Netzentwicklungsplan der Übertragungsnetzbetreiber. Der Netzentwicklungsplan sieht bundesweit 2.800 Kilometer neuer Trassen vor. 2.900 Kilometer bestehender Leitungen sind zu verbessern und zu verstärken.
Die Kosten liegen geschätzt bei zehn Milliarden Euro, ohne die eventuellen Mehrkosten für Erdkabel. Ein großes Vorhaben - da ist es besonders wichtig, dass Bund und Länder gemeinsam agieren. "Die Trassen laufen immerhin durch die gesamte Republik - durch ganz Europa. Da darf nicht autonom gehandelt werden", betonte Rösler.
Die Planungs- und Genehmigungsverfahren für die Vorhaben des Bundesbedarfsplans sollen schneller als üblich voranschreiten. Aus diesem Grund wird das Bundesverwaltungsgericht die Instanz für Klagen gegen die Vorhaben sein.
Nächster Schritt: Trassenverlauf
Der Bundesbedarfsplan legt die Anfangs- und Endpunkte der Stromtrassen fest. Im weiteren Verfahren werden die Trassenkorridore und anschließend der genaue Verlauf der Leitungen ermittelt.
Pilotprojekte für neuartige Übertragungsleitungen finden besondere Beachtung. Mit ihnen sollen Erfahrungen mit neuen Technologien sowie deren Wirkungen auf die Umwelt gesammelt werden. Erst danach wird über ihren großflächigen Einsatz entschieden. So ist es geplant, spezielle Hochtemperaturleiterseile einzusetzen. Auch andere Vorhaben, die eine verlustarme Stromübertragung über große Entfernungen versprechen, werden getestet.
Pilotprojekte mit Erdkabeln
In zwei Pilotprojekten werden auf bestimmten Teilabschnitten die Leitungen als Erdkabel verlegt. Werden Erdkabel eingesetzt entstehen Mehrkosten, denn größere Flächen sind nötig. Daher ist es sinvoll, Erdkabel nur auf technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitten einzusetzen.
Zudem sollen die Fragen eines angemessenen Ausgleichs für Grundeigentümer gelöst werden, um die notwendige Akzeptanz für den Leitungsbau zu erhöhen.
Die Bundesnetzagentur hat zum Thema "Netzausbau" ein neues Internetangebot online gestellt. Hier können sich Interessierte zum Thema informieren und direkt in die Planungen einbringen.
