Samstag, 28. April 2012
Filmförderung
Deutscher Filmpreis für "Halt auf freier Strecke"
Andreas Dresens Drama "Halt auf freier Strecke" hat die goldene Lola als bester deutscher Spielfilm gewonnen. Für Christian Petzolds Film "Barbara" gab es die Lola in Silber. In sechs Kategorien war Roland Emmerichs Shakespeare-Thriller "Anonymus" erfolgreich.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann übergab die begehrten Auszeichnungen für die besten deutschen Spielfilme gestern zusammen mit der Präsidentin der Deutschen Filmakademie Iris Berben. Neben Andreas Dresen und Christian Petzold konnte sich David Wnendt über eine bronzene Lola für seinen Spielfilm "Kriegerin" freuen.
Die Auszeichnung der besten Spielfilme war Höhepunkt der Galaveranstaltung im Berliner Friedrichstadtpalast. Rund 1.800 Gäste aus Film, Medien, Politik und Kultur verfolgten die von Jessica Schwarz und Elyas M’Barek moderierte 62. Verleihung des Deutschen Filmpreises.
Neumann: Schutz des geistigen Eigentums ist von existentieller Bedeutung
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Kulturstaatsminister Bernd Neumann
Foto: Bundesregierung/Denzel
Auf eine erfreuliche Entwicklung im Bereich Dokumentarfilm konnte Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seiner Eröffnungsrede hinweisen: Erstmals waren bei der diesjährigen Preisverleihung nicht zwei, sondern drei Dokumentarfilme nominiert. Jede Nominierung ist mit 100.000 Euro dotiert.
"Was mich allerdings erheblich ärgert, ist – dass bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten genau das Gegenteil passiert", betonte Neumann. Entgegen ihrem Auftrag, sich insbesondere für Kultur zu engagieren, würden Dokumentarfilme immer weniger unterstützt und ihre Filme häufig auf unattraktive Sendeplätze in Richtung Mitternacht verbannt. "Lieber eine Talk-Show weniger und dafür mehr Kultur!", forderte Neumann unter dem Beifall des Publikums.
Auch zur dringend anstehenden Urheberrechtsreform nahm Neumann Stellung. Der Schutz des geistigen Eigentums sei für Künstler im Internetzeitalter eine Frage von existenzieller Bedeutung, erklärte er. Hier müssten endlich umfassende Lösungen auf den Tisch.
Die besten Filme des vergangenen Jahres
Andreas Dresens Drama um einen krebskranken Familienvater "Halt auf freier Strecke", war nicht nur als bester Spielfilm erfolgreich. Neben Dresen, der außerdem den Preis für die beste Regie erhielt, wurde auch Milan Peschel als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Über den Preis als bester Nebendarsteller konnte sich Otto Mellies freuen.
In sechs Kategorien wurde Roland Emmerichs Shakespeare-Film "Anonymus" prämiert: Er gewann in den Kategorien beste Tongestaltung, bester Schnitt, beste Kamera/Bildgestaltung, bestes Maskenbild, bestes Kostümbild und bestes Szenenbild.
Drei Auszeichnungen gingen an das Neonazi-Drama "Kriegerin" in der Regie von David Wnendt: Neben der Lola in Bronze in der Kategorie bester Spielfilm gewann Hauptdarstellerin Alina Levshin den Preis für die beste darstellerische Leistung. Regisseur David Wnendt konnte den Preis für das beste Drehbuch entgegennehmen.
Für ihre Nebenrolle in die "Unsichtbare" erhielt Dagmar Manzel eine Lola.
Erfolgreich in der Kategorie "Dokumentarfilm" war das von Thomas Kufus produzierte Porträt des Malers Gerhard Richter "Gerhard Richter Painting". Die Regie führte hier Corinna Belz.
Die Lola für den besten Kinderfilm ging an Wintertochter in der Regie von Johannes Schmid.
Ehrenpreis für Michael Ballhaus
Mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk wurde in diesem Jahr Michael Ballhaus ausgezeichnet. Der Kameramann, den Iris Berben in ihrer Laudatio als einen der größten seines Fachs würdigte, wurde vom Publikum mit anhaltendem Beifall geehrt.
Eine große Überraschung brachte der Abend für den Schauspieler, Produzenten und Regisseur Michael "Bully" Herbig: Er konnte den zum ersten Mal vergebenen „Bernd-Eichinger-Preis“ entgegennehmen.
Der Deutsche Filmpreis ist mit Preisgeldern in Höhe von 2,955 Millionen Euro der höchst dotierte deutsche Kulturpreis. Vergeben wird er in insgesamt 16 Kategorien vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Der Deutsche Filmpreis ist Auszeichnung und Ansporn zugleich: Die Preisgelder für die besten Spiel-, Dokumentar- sowie Kinderfilme müssen zweckgebunden für die Herstellung neuer Produktionen verwendet werden. Ausgewählt werden die Preisträger von den Mitgliedern der Deutschen Filmakademie.

