Navigation und Service

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Erwartungen an die Zukunft Afghanistans

Welche Chancen und Perspektiven bieten sich der kommenden Generation in Afghanistan? Diese und weitere Fragen waren Themen der Afghanistan Student Conference in Königswinter. Aus dem Blickwinkel der Jugend diskutierten Studenten aus 24 Ländern vom 4. bis 7. Dezember mit zahlreichen Experten am Rande der Internationalen Afghanistan-Konferenz. 

Afghanistan Student Conference Königswinter, die parallel zur Internationalen Afghanistan-Konf. lief.Bild vergrößern Afghanistan Student Conference in Königswinter Foto: DAG e.V.

Insgesamt 58 ausgewählte Studenten aus Afghanistan, Pakistan und den Nationen, die die internationale Schutztruppe stellen, nahmen an dem viertägigen Seminar in Königswinter teil. Sie erörterten mit Experten aus Politik, Militär, Polizei, Diplomatie und Wissenschaft die aktuelle Lage und die zukünftigen Herausforderungen des internationalen Engagements.

Ein Höhepunkt des Programms war das Gespräch einer kleinen Delegation mit der Bundeskanzlerin am Rande der Internationalen Afghanistan-Konferenz.

Die Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft (DAG) wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie weiteren Organisationen und der Universität Bonn unterstützt.

Engagement für Afghanistan

Abdul Moqim hat von der Studenten-Konferenz aus dem Internet bei Recherchen zur Internationalen Afghanistan-Konferenz erfahren. Er bewarb sich und wurde ausgewählt. Der 25-Jährige hat erst vor kurzem seinen Bachelor in Literaturwissenschaft an der Universität in Kabul erworben. Schon während des Studiums arbeitete er nebenbei als Journalist für einen afghanischen Fernsehsender, inzwischen auch für die Deutsche Welle.

Das Bild von seinem Land sei viel zu sehr von den negativen Berichten in den Medien geprägt, sagt er. Tatsächlich gäbe es trotz immer noch großer Herausforderungen doch in vielen Bereichen Fortschritte. Die politischen Führer seien zu oft zu weit weg von der Realität, kritisiert er. Daher war er dankbar für die Chance, beim Treffen mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle zur Lage in Afghanistan aus Sicht der jungen Generation sprechen zu können.

Soodaba Uosoofy, Studentin, stammt ebenfalls aus Kabul. Ihre Familie lebt heute in der Provinz Badakhshan im äußersten Nordosten des Landes. Die 23-Jährige ist derzeit als Austauschstudentin an der Universität Erfurt. Sie engagiert sich besonders für die Rechte der Frauen. Zwar habe sich schon einiges verbessert, aber es bleibe immer noch viel zu tun.

Besonders gut fand sie, dass für die afghanische Zivilgesellschaft eine Frau als Sprecherin bei der internationalen Konferenz zu Wort kam. Genauso gleichberechtigt, als würde sie für die Delegation eines Staates vortragen. Ob sie nach Ende des Studiums im Juli 2013 zurück nach Afghanistan gehe? Sie würde schon gerne beim weiteren Aufbau helfen, aber "das ist abhängig von der Sicherheitslage."

Jennifer Stötzel, 21, Studentin in Bonn: "Ich glaube, dass Afghanistan schon eine Zukunft hat, man darf das Land nur nicht zu früh alleine lassen. Was beispielsweise von Deutschland beim Polizeiaufbau, bei der inneren Sicherheit bisher geleistet wurde, macht echt Hoffnung. Ich finde, gerade die Bildung ist der Schlüssel für die Entwicklung Afghanistans. Und dabei spielen die Frauen eine ganz große Rolle.

Während dieser Tage der Studentenkonferenz habe ich von meinen afghanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel über Afghanistan erfahren. "Ich bin begeistert, mit wieviel Engagement und Leidenschaft sie in den Diskussionen um Problemlösungen für ihr Land bemüht sind."

Problem Korruption und Drogenhandel

Bildung ist der Schlüssel für die Entwicklung Afghanistans, das war der einstimmige Tenor der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am letzten Tag, bei dem es auch um die Formulierung von eigenen politischen Lösungsvorschlägen ging.

Formuliert wurde beispielsweise: Die Forderung nach einem internationalen Engagement auch nach 2014 und eine enge Anbindung an die internationale Gemeinschaft und die damit einhergehende "Rule of Law" (Rechtsstaatlichkeit). Forderung nach Unterbindung der Korruption und des Drogenhandels. Beides wurde als großes Hindernis für die Entwicklung und den Fortschritt des Landes identifiziert, was beseitigt werden muss. Die Durchsetzung der Rechte von Frauen wird grundsätzlich begrüßt. Forderung einer fördernden Politik beispielsweise in Bezug auf Arbeitsmarkt und Ausbildung.

"Die Studentinnen und Studenten sind sehr ehrgeizig", sagt Janika Bratvogel, Organisatorin der DAG, die die Konferenz mit Unterstützung des BMZ und der Universität Bonn organisiert hat. "Wir hatten vor einem Jahr mit den Vorbereitungen begonnen. Unsere Teilnehmer haben das Programm gut aufgenommen. Sie haben sich mit großem Engagement eingebracht, um aus ihrer Sicht Lösungen für den Konflikt zu diskutieren und zu entwickeln."