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Mittwoch, 7. Dezember 2011

Afghanistan: Das Wissen um die eigene Geschichte stärken

"Die Afghanen sind stolz auf ihre Kultur – zu Recht", das sagt Susanne Annen. Sie hilft beim Wiederaufbau der Museen in Afghanistan.

Antike Schätze aus Mes Aynak im Nationalmuseum Kabul. Fotos: Jaroslav Poncar / National Museum of AfghanistanBild vergrößern Antike Schätze aus Mes Aynak im Nationalmuseum Kabul Foto: Jaroslav Poncar / National Museum of Afghanistan

Wenn Susanne Annen zum Jahresende 2011 ihren Schreibtisch im Nationalmuseum von Kabul räumt, wird das nicht das Ende ihrer Arbeit für Afghanistan sein. Die Architektin wird dem Museum als Mitglied des Beratungsausschusses erhalten bleiben. Mit ihr als Mitarbeiterin ist das Kulturministerium seinem Ziel näher gekommen, das Bewusstsein der Bevölkerung für ihre eigene Kultur zu stärken.

Afghanistan kann stolz auf seine Kultur sein. "Wegen seiner Lage an wichtigen Handelsrouten ist das Land von vielen Völkern und Religionen geprägt worden. Das Wissen über die gemeinsame Geschichte fördert Toleranz und ein friedliches Miteinander."

Projekt "Wiederaufbau der Museen"

Als integrierte Fachkraft wurde sie über das "Centrum für internationale Migration und Entwicklung" in Frankfurt am Main vermittelt. Finanziert durch das Auswärtige Amt kam sie vor eineinhalb Jahren nach Kabul.

In der Kultur- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn hatte sie als Ausstellungsleiterin eine Wanderausstellung mit Schätzen aus dem Kabuler Nationalmuseum umgesetzt. So arbeitete sie schon einige Jahre mit dem afghanischen Kulturministerium zusammen, bevor der Minister sie um Unterstützung beim Wiederaufbau der Museen bat. Dort fehlen ausgebildete Experten, die Erfahrung darin haben, wie man Projekte strukturiert umsetzt.

Susanne Annen arbeitet eng mit dem Kulturminister zusammen. Sie bildet die Schnittstelle zu Stiftungen, Kulturreferenten der Botschaften und Leitern von Ausstellungsprojekten. Mit ihnen tauscht sie sich über laufende Projekte, den Einsatz von Geldern und Projektvorschläge aus. Zusammen mit Architekten, Archäologen, Kunsthistorikern und Ausstellungsmachern konzipiert sie Ausstellungen, Sammlungen und Ausgrabungen. Der Minister, Karim Khoram und der Generaldirektor des Nationalmuseums, Omar Khan Massoudi, binden sie eng in Entscheidungen ein und fragen häufig um Rat.

Susanne Annen (rechts im Bild) bei Ausgrabungen in Mes Aynak, südöstlich von Kabul. Die Architektin wurde vom „Centrum für internationale Migration und Entwicklung“ an das afghanische Kulturministerium vermittelt. Sie unterstützt Afghanistan bei....Bild vergrößern Susanne Annen bei Ausgrabungen in Mes Aynak Foto: Jaroslav Poncar

Zu ihren Projekten gehörte eine Ausstellung im Nationalmuseum mit neuen Funden aus Mes Aynak – einer Ausgrabungsstätte für antike buddhistische Tempel und Klosteranlagen. Der Ort liegt rund 40 Kilometer südöstlich von Kabul. Mit einem Kurator hat sie das Ausstellungskonzept entwickelt und mit Unterstützung des Ministeriums umgesetzt. Wissenschaftler aus Österreich und Frankreich haben die Herstellung eines Ausstellungskatalogs ermöglicht.  

Viele Wege führen zum Ziel

Vieles hat funktioniert, wenn auch anders und langsamer als in Deutschland: "Man braucht viel Geduld, Humor und den Willen, die Kultur zu verstehen." Die afghanischen Kollegen haben sie sehr unterstützt – und im Gegenzug so manches von ihr gelernt. Die Kuratoren können nun kleine Wechselausstellungen alleine erstellen. Sie wissen, wie man Budget- und Zeitpläne aufstellt, Ausstellungen installiert und Teams bildet. Dazu haben sie gelernt, wie man mit anderen Experten - Designern, Architekten oder Wissenschaftlern aus dem Ausland - zusammenarbeitet.

Susanne Annen hat Projekte mit angestoßen, die nach dem Ende ihres Einsatzes fortgesetzt werden: Der Neubau für das Nationalmuseum und eine Partnerschaft mit einem amerikanischen Kulturinstitut, das die Ausbildung der Museumsmitarbeiter finanziert.  

Die Hilfe von Experten wird weiterhin gebraucht. Der Minister möchte ihre Stelle neu besetzen.

Was sie für ihre Arbeit in Deutschland mitnimmt? "Ich habe gelernt, dass jenseits unserer vertrauten Arbeitsstrukturen viele Wege zum Ziel führen können."