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Montag, 5. Dezember 2011

Afghanistan: Computerkurse und Englisch – Frauen unterrichten Frauen

Die 19-jährige Studentin Latifa Nazari gibt Computerkurse. Es ist noch gar nicht lange her, da war sie selbst Teilnehmerin eines Kurses. Jetzt ist sie Ausbilderin und unterrichtet selbst.

Bis November 2011 haben über 300 Teilnehmerinnen die Computerkurse im Ausbildungszentrum in Aybak in der Provinz Samangan besucht.Bild vergrößern Computerkurse im Ausbildungszentrum in Aybak Foto: GIZ

Das Ausbildungszentrum für Frauen ist in Aybak, der Provinzhauptstadt von Samangan in Nordafghanistan. Hier lernen die Teilnehmerinnen die Grundlagen von Hard- und Software und vor allem die gängigen Office-Programme. Latifa Nazari ist jetzt Ausbilderin und unterrichtet andere junge Frauen in Word, Excel und Powerpoint. Ihre Kenntnisse werden auch in ihrem späteren Beruf nützlich sein – Latifa will Lehrerin werden. Sie studiert am Lehrerausbildungszentrum in Aybak, einem "Teacher Training College".

Perspektiven für die Zukunft schaffen

Dass es dieses Ausbildungszentrum überhaupt gibt, ist der Behörde für Frauenangelegenheiten von Samangan zu verdanken.

Die Verantwortlichen stellten einen Antrag an den Distriktentwicklungsfonds. Jungen Frauen zwischen 15 und 22 Jahren soll ermöglicht werden, eine Fortbildung in Englisch und Computer­programmen zu besuchen. Damit können sie ihre Berufschancen verbessern.

Den Distriktentwicklungsfonds finanziert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Mit den Geldern werden Projekte zur Verbesserung der ländlichen Infrastruktur und zur Schaffung von Einkommensmöglichkeiten gefördert. Die Gemeinden bestimmen selbst in einem transparenten Verfahren, welche Maßnahmen Vorrang bekommen. Sie verantworten deren Umsetzung selbst, begleitet von Experten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Die GIZ hat auch den Aufbau des Ausbildungszentrums in Aybak unterstützt: Ein Haus wurde angemietet, Möbel, Trainingsmaterial und Computer beschafft. Experten der GIZ haben auch die Ausbilderinnen eingestellt. Sie werden begleitet, ihnen wird bei der Entwicklung der Kursinhalte geholfen.

Die Kurse fanden großen Zulauf. Bis November 2011 nahmen über 300 Mädchen und junge Frauen das Angebot wahr. Weil die Kurse ausschließlich für Frauen zugänglich sind, befürworten auch sehr traditionelle Familien, dass ihre Töchter an der Ausbildung teilnehmen.

Auch wirtschaftliche Aspekte zählen

Latifa sagt, sie sei glücklich, dass sie durch das Training so viel Neues gelernt hat. Einige der Kursteilnehmerinnen, die sie zurzeit schult, werden genau wie sie künftig als Ausbilderinnen arbeiten. Viele von ihnen wollen später einmal Lehrerinnen werden. Latifa fiel es leicht, die Computerprogramme zu erlernen – so konnte sie schon nach kurzer Zeit selbst unterrichten.

Durch ihre Arbeit als Ausbilderin verdient sie 4.000 Afghani im Monat, das sind rund 60 Euro. "Ich gebe meinen Lohn hauptsächlich für mein Studium aus", sagt sie. "Manchmal kaufe ich auch Schulmaterial für meine beiden jüngeren Schwestern." Latifa wohnt in Aybak bei ihren Eltern, zusammen mit vier Geschwistern. Oft kauft sie von ihrem Einkommen Lebensmittel für die ganze Familie ein.

Die Förderung für das Ausbildungszentrum, in dem Latifa arbeitet, läuft zum Jahresende 2011 aus. Doch Latifa hat schon feste Pläne: Die Nachfrage nach den Kursen ist so groß, dass sie das Zentrum zusammen mit anderen Ausbilderinnen weiterführen will.