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Mittwoch, 7. Dezember 2011

Kabinett billigt Abschlussbericht des Runden Tisches

Sexueller Kindesmissbrauch wird oft bagatellisiert oder als Einzelphänomen abgetan. In Wahrheit sind jedes Jahr über 11.000 Mädchen und Jungen betroffen. Das Kabinett hat heute den Abschlussbericht des "Runden Tisches Sexueller Kindesmissbrauch" zur Kenntnis genommen. Außerdem setzte das Kabinett einen neuen Missbrauchsbeauftragten ein.

Johannes-Wilhelm Rörig tritt damit die Nachfolge von Christine Bergmann als Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs an. Er ist nun dafür zuständig, die Umsetzung der Empfehlungen des Rundes Tisches zu beobachten. Außerdem wird er die Telefonische Anlaufstelle für Missbrauchs-Betroffene fortführen

Bereits letzte Woche hatten Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Bundesbildungsministerin Annette Schavan den Abschlussbericht auf einer gemeinsamen Pressekonferenz vorgestellt. "Ein großer Teil der Arbeit liegt noch vor uns", betonte Familienministerin Kristina Schröder bei dieser Gelegenheit. Deshalb sei eine bundesweite Initiative zur Prävention sexuellen Missbrauchs geplant. Ziel dieser Initiative sei es, "dass in allen Alters- und Gesellschaftsgruppen tabulos dieses Thema besprochen werden könne", sagte Schröder. Durch Aktionen vor Ort, aber auch durch eine Online-Plattform sollen Kinder altersgerecht informiert und gestärkt werden.

Außerdem macht der Abschlussbericht deutlich, dass Eltern und Fachkräfte besser für Anzeichen sexualisierter Gewalt sensibilisiert werden müssen. Das Familienministerium stellt für die Präventionsinitiative über 4 Millionen Euro zur Verfügung.

"Das Schweigen ist gebrochen"

Schavan sagte im Hinblick auf die Gespräche und Beratungen am Runden Tisch: "Das Schweigen ist gebrochen." Nun gelte es, "eine Kultur der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit" zu entwickeln. Die Forschung müsse sich verstärkt mit den körperlichen und psychischen Auswirkungen sexueller Übergriffe auseinandersetzen. Darüber hinaus seien wissenschaftlich fundierte Strategien zur Verhinderung von sexualisierter Gewalt notwendig.

Leitlinien gegen Vertuschung

Der Runde Tisch gibt den Organisationen im Bildungs- und Erziehungssektor konkrete Hinweise für den Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch an die Hand. Zu Präventionszwecken soll zum Beispiel von Personen, die in engem Kontakt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ein erweitertes Führungszeugnis verlangt werden.

In seinen Leitlinien zeigt der Runde Tisch außerdem auf, was eine Einrichtung im Verdachtsfall tun kann und wann sie die Strafverfolgungsbehörde einschalten muss.

Bund zahlt 50 Millionen Euro für Hilfesystem

Den vielen Missbrauchsopfern der Vergangenheit nützen heutige Präventions- und Interventionsmaßnahmen wenig. Sie brauchen konkrete Hilfe bei der Bewältigung ihrer leidvollen Erfahrungen. Therapieangebote werden schon jetzt zu einem guten Teil von den Krankenkassen und nach dem Opferentschädigungsgesetz gezahlt. Dennoch bleibt so manche therapeutische Aufarbeitung bisher unzureichend. Für diese Leistungslücken hat der Runde Tisch zu sexuellem Kindesmissbrauch ein Hilfesystem entwickelt. Geplant ist ein Budget von 100 Millionen Euro, von denen der Bund die Hälfte übernimmt.

Opferrechte stärken

Leutheusser-Schnarrenberger berichtete über die anliegenden Gesetzesänderungen, um die Opfer von sexuellem Missbrauch besser zu unterstützen. Nach dem Regierungsentwurf werde die zivilrechtliche Verjährungsfrist bei Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung von drei auf 30 Jahre verlängert. Außerdem sollen verstärkt richterliche Videovernehmungen eingesetzt werden, um gerade Minderjährigen unnötige Mehrfachvernehmungen zu ersparen.

Die Bundesregierung hatte den Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch im April 2010 mit Vertretern von Schulen, Kirchen und Opferverbänden einberufen. Sein Ziel ist es, über Konsequenzen aus den zahlreich bekannt gewordenen Fällen sexuellen Missbrauchs zu beraten.