Dienstag, 15. Februar 2011
Krankenstand in Deutschland bleibt niedrig
Die alte Faustformel, wonach der Krankenstand steigt, wenn es der Wirtschaft gut geht, ist widerlegt. Die Krankmeldungen lagen auch im vergangenen Jahr trotz Wirtschaftswachstum auf dem niedrigen Vorjahresniveau von 3,4 Prozent.
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Vorsorge kann Krankenstand weiter senken
Foto: BilderBox
Sowohl Krankheitskosten als auch krankheitsbedingte Fehlzeiten könnten weiter sinken. Deshalb macht die Bundesregierung die betriebliche Gesundheitsförderung zu einem Schwerpunkt ihrer Präventionsstrategie.
Leistungsbereitschaft unabhängig von Konjunktur
Der seit zehn Jahren andauernde Trend hält damit an. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten Krankenkasse hervor, der Krankschreibungen von 2,6 Millionen Versicherten auswertet.
Fest steht: Die hohe Leistungsbereitschaft und Motivation der Arbeitnehmer ist nicht von Konjunkturzyklen abhängig. Ein Versicherter war im Jahr 2010 demnach durchschnittlich 12,5 Kalendertage krankgeschrieben. Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Versicherten (53,7 Prozent) meldete sich 2010 gar nicht krank.
Psychische Erkrankungen nehmen zu
Doch es gibt auch Grund zur Sorge. Seit 1998 steigen die psychischen Erkrankungen kontinuierlich an. Im Jahr 2010 legten sie so stark zu wie noch nie. Allein im vergangenen Jahr gab es 13,5 Prozent mehr Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen. Damit machen Depressionen und andere psychische Leiden ein Achtel des gesamten Krankenstandes aus. Sie spielen eine fast doppelt so große Rolle wie noch 1998.
Junge Erwerbstätige oft beim Arzt
Junge Erwerbstätige suchen deutlich häufiger einen Arzt auf als ihre Alterskollegen, die noch nicht berufstätig sind. Sie gingen durchschnittlich knapp achtmal pro Jahr zum Arzt. Ihre nichtberufstätigen Alterskollegen hingegen gingen nur viermal jährlich zum Arzt. Für den fast doppelt so häufigen Arztkontakt gibt es zwei Erklärungen: Jüngere Erwerbstätige gehen öfter zum Arzt, um Fehlzeiten gegenüber dem Arbeitgeber durch eine ärztliche Krankschreibung zu legitimieren.
Nicht-Erwerbstätige warten zunächst ab, wie sich die Beschwerden entwickeln. Zweitens ergeben sich mit dem Berufsstart deutliche Veränderungen im Alltag. Dies führt dazu, dass junge Arbeitnehmer zunächst anfälliger für Krankheiten werden. Besonders viele Krankschreibungen fallen bei den jüngsten Arbeitnehmern zwischen 15 und 19 Jahren auf. In dieser Altersgruppe kam es 2010 zu 204 Krankmeldungen pro 100 junge Versicherte. Im Gesamtschnitt aller Erwerbstätigen waren es dagegen nur 111 Krankschreibungen.
Jugend oft unterfordert
Ein weiteres unerwartetes Ergebnis: Rund 60 Prozent der jungen Arbeitnehmer bis 29 Jahre haben das Gefühl, mehr leisten zu können als im Job verlangt wird. Umgekehrt geben nur 6,1 Prozent an, dass ihre Tätigkeit zu schwierig sei.
In der Arbeitsorganisation und im betrieblichen Gesundheitsmanagement sollte der Fokus nicht nur auf Überforderung und Burn-Out gerichtet sein. Wichtig ist auch, wie sich Unterforderung auswirkt. Nicht nur Überforderung, sondern auch langanhaltende Unterforderung kann Stress erzeugen.
Bundesregierung stärkt betriebliche Gesundheitsförderung
Insgesamt werden Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung immer wichtiger. "Sie müssen in den Arbeitsprozess integriert werden." Darauf weist Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hin.
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen bietet die betriebliche Gesundheitsförderung enorme Chancen. Präventive Maßnahmen zur Gesundheitsförderung erhalten und stärken die Gesundheit der Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter. Zugleich tragen sie zu einem besseren Betriebsklima bei, da Vorgesetzte zu einem sorgsamen Umgang mit den Beschäftigten ermuntert werden.
Fehlzeiten könnten noch weiter sinken
Durch die betriebliche Gesundheitsförderung können sowohl Krankheitskosten als auch krankheitsbedingte Fehlzeiten um mehr als ein Viertel verringert werden. "Viele Betriebe kennen die zahlreichen Möglichkeiten nicht", sagte Rösler. Besonders die tragende Säule der deutschen Wirtschaft – die kleinen und mittleren Unternehmen – nutzten die Chancen noch zu selten. "Hier werden wir ansetzen und die betriebliche Gesundheitsförderung zu einem Schwerpunkt unserer Präventionsstrategie entwickeln."
