Sonntag, 21. November 2010
Gerichtssaal wird Ort der Erinnerung
In Nürnberg haben nach dem Zweiten Weltkrieg die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher Nazi-Deutschlands stattgefunden. Das "Memorium Nürnberger Prozesse" informiert über diese Verfahren und erinnert an ihre Bedeutung für die Entwicklung des modernen Völkerstrafrechts.
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Hermann Göring und Rudolf Hess auf der Anklagebank
Foto: picture-alliance / akg-images
Am Sonntag wird das "Memorium Nürnberger Prozesse" eröffnet. Erwartet werden Bundesaußenminister Guido Westerwelle, Kulturstaatsminister Bernd Neumann sowie Vertreter der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs.
Nürnberger Prozesse - Grundlage für das moderne Völkerstrafrecht
Saal 600 im Nürnberger Justizpalast hat Geschichte geschrieben: 1945/46 fanden dort vor dem Internationalen Militärgerichtshof die Prozesse gegen die wichtigsten NS-Kriegsverbrecher statt. Auch danach wurde noch bis 1949 in diesem Saal gegen Verantwortliche aus Wirtschaft, Verwaltung, Justiz und Medizin verhandelt.
Die Anklage in den Nürnberger Prozessen lautete auf Verschwörung zur Führung eines Angriffskrieges, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Gegen 21 Angeklagte sowie sechs "Gruppen und Organisationen" wurden in Nürnberg Verfahren eröffnet. Nach 218 Verhandlungstagen, der Anhörung von mehr als 200 Zeugen, wurden 19 von ihnen verurteilt.
In dem Verfahren wurde der Öffentlichkeit nicht nur die Ausmaße der nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungspolitik, die 60 Millionen Menschenleben forderte, vor Augen geführt. Hier mussten sich zum ersten Mal Vertreter eines zum Zeitpunkt der Taten souveränen Staates für ihr Handeln vor einem internationalen Tribunal verantworten. Mit dem Verfahren wurde die Grundlage für das moderne Völkerstrafrecht geschaffen.
Dokumentationszentrum am Ort des Geschehens
Nicht nur in Deutschland, sondern auch international ist das Interesse an diesem authentischen Ort deutscher Geschichte groß. Deshalb wurde im Gerichtsgebäude jetzt ein Dokumentationszentrum eingerichtet.
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Saal 600, so wie er heute aussieht
Foto: Christine Dierenbach / museen der stadt nürnberg
Neben einer Dauerausstellung im Dachgeschoss des Gerichtsgebäudes gehört dazu auch Saal 600 - allerdings nur dann, wenn dort keine Verhandlungen stattfinden.
Die Dauerausstellung informiert zunächst über die Vorgeschichte, die Beteiligten und den Verlauf des Hauptkriegsverbrecherprozesses. In mehreren Nebenräumen geht es dann um die Nürnberger Nachfolgeprozesse und um die juristische Verfolgung von NS-Verbrechen nach 1946.
Ein weiterer Bereich widmet sich der Bedeutung der Nürnberger Prozesse für die Entwicklung des internationalen Völkerstrafrechts bis hin zum internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.
Vom Bund gefördert
Der Bund hat die Einrichtung des Memoriums aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers mit 2,1 Millionen Euro gefördert, der Freistaat Bayern hat rund 2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Stadt Nürnberg finanziert die Ausstellung und den Betrieb des Erinnerungsorts.
