Mittwoch, 17. November 2010
Ältere sind Gewinner am Arbeitsmarkt
Die Bundesregierung sieht die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters als alternativlos an, um Wohlstand und Generationengerechtigkeit zu sichern. Das Bundeskabinett hat daher am 17. November entschieden, an der 2007 beschlossenen Rente mit 67 festzuhalten. Der veränderte Altersaufbau macht es notwendig, die gesetzliche Rentenversicherung zukunftsfest zu machen.
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Erfahrungsaustausch: Ausbilder und Lehrlinge bei der Firma Trainico in Wildau
Foto: Ulf Dieter
"Wir sind das Land des langen Lebens geworden. In den letzten 50 Jahren hat sich die Lebenserwartung in unserem Land um elf Jahre verlängert", stellte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen bei der Vorstellung des Berichts "Aufbruch in die altersgerechte Arbeitswelt" fest. Der Bericht wurde vom Kabinett verabschiedet. Die Nachfrage nach gut qualifizierten älteren Arbeitskräften werde weiter steigen. "Deswegen halte ich es nicht nur für notwendig, sondern auch für vertretbar, an der behutsamen, schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters bis zum Jahr 2029 festzuhalten", so von der Leyen. Es gelte die kommenden 19 Jahre zu nutzen, um die Rahmenbedingungen für erfülltes Arbeiten bis 67 deutlich zu verbessern.
Das heißt: mehr betriebliche Gesundheitsförderung und altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung, mehr Qualifizierung und ständige Weiterbildung bereits im mittleren Alter.
Ältere – jung wie nie
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Grafik - Ältere Beschäftigte im europäischen Vergleich
Foto: REGIERUNGonline
Damit die Rechnung aufgeht, müssen in Zukunft mehr Ältere aber auch tatsächlich beschäftigt sein. "In zehn Jahren wird jeder dritte Beschäftigte über 50 sein. Diese Botschaft kommt inzwischen auch in der Wirtschaft an", so von der Leyen. Notwendig ist ein Paradigmenwechsel: Weg von dem negativen Bild über die Leistungsfähigkeit älterer Beschäftigter. In der Vergangenheit wurden häufig ältere Beschäftigte frühverrentet, was mit zu diesem negativen Bild führte. Von der Leyen hob als positives Beispiel mit Blick auf die Entwicklung den Demografie-Tarifvertrag in der Chemischen Industrie hervor.
Die Älteren von heute sind gesünder als früher. Sie engagieren sich gesellschaftlich ebenso wie die Jüngeren. Die soziale Integration und Teilhabe hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht. Die Alten sind jung wie nie.
Studien zeigen zudem, dass ältere Beschäftigte sehr wohl leistungsfähig sind. Sie mögen vielleicht nicht mehr so schwer heben können wie Jüngere. Dafür haben sie aber mehr Erfahrung mit der Arbeit.
Bereits heute mehr Ältere in Arbeit
In den letzten Jahren zeigte sich bereits ein Wandel. Das in der EU vereinbarte Ziel, bis 2010 mindestens 50 Prozent der Älteren erwerbstätig zu haben, hat Deutschland bereits 2007 erreicht. Aktuell liegt die Erwerbstätigenquote der Älteren, das heißt der 55-Jährigen bis unter 65-Jährigen, bereits bei 57,4 Prozent.
Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Älteren ist deutlich gestiegen. Allein bei denjenigen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren hat sich die Beschäftigtenquote seit 2000 verdoppelt und beträgt inzwischen rund 23 Prozent. Der Prozess der längeren Erwerbsdauer hat bereits begonnen.
Gleichwohl muss die Arbeitswelt noch stärker altersgerecht gestaltet werden, um den bevorstehenden Wandel bewältigen zu können. Betriebe, Sozialpartner und Politik müssen dafür sorgen, dass auch eine älter werdende Arbeitsgesellschaft so produktiv und innovativ wie nur denkbar sein kann. Von der Leyen appellierte: "Unverzichtbar ist die Weitsicht und tätige Verantwortung der Sozialpartner in der täglichen betrieblichen Praxis."
Die Anhebung – behutsam und gerecht
Die Bundesregierung wird die Anhebung des Renteneintrittsalters über einen Zeitraum von 2012 bis 2029 vornehmen, um genügend Zeit für die nötigen Anpassungen zu haben. Das ist behutsam. "Der Wandel verlangt von uns, die Lasten gerecht zwischen den Generationen zu verteilen", so von der Leyen. Die jüngeren Generationen werden nicht überfordert und die künftige Rente kann höher ausfallen als ohne Anhebung.
Die Anhebung des Renteneintrittsalters ist wichtig, weil dadurch mehr Menschen beschäftigt sind. Das entlastet die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) auf der Ausgabenseite. Wenn die Menschen länger sozialversicherungspflichtig arbeiten, erhält die GRV außerdem zusätzliche Beitrage. Das stärkt ihre Einnahmenseite.
Ein längeres Erwerbsleben ermöglicht mehr Wohlstand und Teilhabe für die Menschen. Von der Leyen fasst es so zusammen: "Die Älteren sind die Gewinner am Arbeitsmarkt."
Der Bevölkerungsaufbau hin zu einer älteren Gesellschaft
In Deutschland werden weniger Kinder geboren. Zugleich steigt die Lebenserwartung. Und die Älteren sind länger fit. Bis 2030 werden aus den geburtenstarken Jahrgängen mehr als fünf Millionen Menschen in den Ruhestand gehen. Die Zahl der 20- bis 64-Jährigen geht deutlich zurück. Den Schätzungen zufolge etwa um über sechs Millionen. Das wirkt sich auf das Verhältnis der Menschen im erwerbsfähigen Alter gegenüber den über 64-Jährigen aus. Während das Verhältnis heute noch 3:1 beträgt, kommen 2030 nur noch zwei Erwerbsfähige auf einen Rentner.
