Sonntag, 3. Oktober 2010
Die ganze Vielfalt des vereinten Deutschlands
Ganz Deutschland auf ein paar Quadratkilometern: Beim Bürgerfest zum 20. Tag der Deutschen Einheit in Bremen genossen Zehntausende von Besuchern die ganze Vielfalt des wiedervereinigten Landes. Die 16 Bundesländer, Bundesrat, Bundestag und Bundesregierung boten Rück- und Ausblicke, aktuelle politische Informationen aller Art – und natürlich auch kulinarische Spezialitäten.
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Bundeskanzlerin Merkel in Bremen
Foto: Jesco Denzel / RegierungOnline
Mit einem nachgebauten Brandenburger Tor sorgten die Berliner für einen Stau auf der „Ländermeile“ in der Bremer Überseestadt. Aber das störte niemanden, denn Gedränge gab es überall: vor und in den Zelten genauso wie vor den Bühnen. Bremens ehemaliger Bürgermeister Klaus Wedemeier sprach vom „schönsten Bürgerfest“ seit 1990.
Informationszelt der Bundesregierung
Im großen Informationszelt der Bundesregierung waren alle Stände der Ministerien dicht umlagert. „Wir haben viele Fragen zum Afghanistan-Einsatz beantwortet“, so ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, „aber erfreulicherweise verliefen alle Gespräche sehr sachlich.“
Sachorientiert waren auch die Antworten von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner auf der Bühne des Info-Zeltes. Es ging um die Sicherheit im Internet. Aigner erklärte, wie man sich ein sicheres Passwort zulegt. In den sozialen Netzwerken sei Vorsicht vor „Freunden“ geboten, die keine echten Freunde seien. Mit der Kampagne „Watch your web“ gibt das Verbraucherschutzministerium Tipps zum Umgang mit dem Internet.
Praktische Ratschläge
Bundesinnenminister Thomas de Maizière, zugleich Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, hatte ebenfalls praktische Ratschläge parat: Wer in den alten Ländern keinen Ausbildungsplatz finde, solle es doch mal in den neuen versuchen. Dort sei das Angebot an Lehrstellen inzwischen größer als die Zahl der Bewerber. „Es gibt keinen Grund zur Abwanderung, es gibt Grund zur Zuwanderung“, sagte de Maizière. Jahrelang hatten ostdeutsche Jugendliche weniger Chancen auf dem Ausbildungsmarkt als westdeutsche.
Selbstbewusstsein und Regionalstolz
Auf allen Bühnen und in vielen Gesprächen spielten die Bilanz der vergangenen 20 Jahre und die heutige Situation in den neuen Ländern eine herausragende Rolle. Wobei sich manche Bürgerfestbesucher fragten, ob die neuen Länder nach 20 Jahren immer noch so „neu“ sind.
Im Auftreten auf der Ländermeile unterschieden sich die Länder nur noch durch landestypische Akzente, kein bisschen mehr in ihrem Selbstbewusstsein und ihrem Regionalstolz. Thüringen etwa präsentierte sich – weil Sitz des „Kinderkanals“ – als „Kindermedienland“ und als Hightech-Standort: MP3-Erfinder Karl Heinz Brandenburg führte ein revolutionäres Soundsystem vor, an dem Unternehmen im In- und Ausland Interesse haben.
Einheit als Gewinn
Es hat sich in den vergangenen 20 Jahren eine Menge getan in Deutschland. Nimmt man die Bürgerfeste als Gradmesser, so sind sie ein sichtbarer Beweis dafür, dass Deutschland mehr und mehr zusammengewachsen ist: zu einer Einheit in Vielfalt – einer Vielfalt, die den Wettbewerb untereinander fördert und deshalb für das ganze Land ein Gewinn ist.
