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Donnerstag, 2. September 2010

Kunst der Moderne aus Brasilien

In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand in Brasilien eine moderne Kunst ganz eigener Ausprägung.  Wie lebendig sie auch heute noch ist, zeigt die Ausstellung "Das Verlangen nach Form" in der Berliner Akademie der Künste. Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat sie eröffnet.   

Marcel Gautherot, Palácio da Alvorada (Palast der Morgenröte), ca. 1962 Ort: Brasilia, DF, s/w Fotografie, 40 x 40 cm© Marcel Gautherot / IMS Instituto Moreira Salles, RJBild vergrößern Architektur in Brasilia, ca. 1962 Foto: Marcel Gautherot / IMS Instituto Moreira Salles, RJ

In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte Brasilien einen beispiellosen kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufbruch. Eine Entwicklung, die sich in Oscar Niemeyers neuer Architektur der Hauptstadt Brasilia ebenso manifestierte wie im „Bossa Nova“, einer Musikform, die ebenfalls weltweit für Furore sorgte.

Damit sei Brasilien zum "Pionier einer Moderne" geworden, die bis heute fortwirke, befand Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung.

Vom "Neoconcretismo" zur Gegenwartskunst

Hélio Oiticica Metaesquema (Meta-Schema), 1956, Gouache auf Karton/ Gouache on card, 41 x 46 cmRicardo Rego Collection© Projeto Hélio OiticicaBild vergrößern Hélio Oiticica, Meta-Schema, 1956 Foto: Projeto Hélio Oiticica

Auch in der bildenden Kunst, im Film und im Design entstanden neue, geometrisch abstrakte Ausdrucksformen. Sie werden unter dem Begriff des „Neoconcretismo“ zusammengefasst.

Trotz formaler Strenge zeigen diese Gemälde, Skulpturen und Papierarbeiten – zum Beispiel von Hélio Oiticica oder Lygia Clark – eine ganz eigene Formensprache, die auch expressive oder spielerische Elemente enthält.

Wie bahnbrechend diese Entwicklung war, lässt ihr „Nachleben“ erkennen: etwa in der zeitgenössischen bildenden Kunst, die in der Ausstellung mit Arbeiten von Iole de Freitas, Waltercio Caldas und Carla Guagliardi vertreten ist. Oder in den Filmen jüngerer brasilianischer Filmemacher, die zusammen mit historischen Filmen des „Cinema Novo“ in der Schau zu sehen sind.

Vom Bund gefördert

Die Akademie der Künste zeigt die Ausstellung in ihren Räumen am Berliner Hanseatenweg. Das ebenfalls Ende der fünfziger Jahre entstandene Gebäude gilt als Architekturdenkmal, dessen Sanierung inzwischen dringend notwendig ist. Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat sich dafür eingesetzt, dass sie mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II von der Bundesregierung gefördert wird.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. November in der Akademie der Künste am Hanseatenweg zu sehen. Sie wird von einem umfassenden Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Diskussionen und Filmvorführungen begleitet. Die Realisierung der Ausstellung hat die Kulturstiftung des Bundes mit 200.000 Euro unterstützt.