Dienstag, 31. August 2010
Familie und Beruf – es geht um Zeit
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss eine Kernaufgabe der Familienpolitik bleiben. Das ergab der Monitor Familienleben 2010 des Instituts für Demoskopie Allensbach. Danach fordern 69 Prozent der Bevölkerung und 78 Prozent der Eltern das Thema vorrangig zu behandeln.
Die dringlichsten politischen Aufgaben werden laut der Umfrage zwar noch immer von der Wirtschaftskrise bestimmt. Dennoch stellt die Familie für 78 Prozent nach wie vor den wichtigsten Lebensbereich dar.
Wie zufrieden Familien sind, hängt häufig davon ab, ob sie genügend Zeit mit ihren Kindern und Angehörigen verbringen können. „Mein Ziel ist deshalb, bessere Voraussetzungen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen“, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. Dafür seien flexiblere Arbeitszeiten nötig. Wichtig sei aber auch eine andere Unternehmenskultur. Es müsse um die Qualität geleisteter Arbeit und nicht um die Präsenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen.
Eltern wünschen vollzeitnahe Teilzeitbeschäftigungen
Mütter und Väter wollen ihre Berufstätigkeit den Bedürfnissen ihrer Familie anpassen. Flexible Arbeitszeiten sind nach wie vor eine bei vielen Eltern beliebte Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren.
Gegenwärtig wünschen sich 60 Prozent der Väter und 41 Prozent der Mütter kürzere Arbeitszeiten. Als besonders attraktiv für Väter und Mütter tritt in der Befragung das Modell der vollzeitnahen Teilzeit hervor. Hier sind vor allem die Unternehmen gefragt, die den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entgegenkommen sollten.
Das Bundesfamilienministerium startet deshalb im Herbst gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag die Initiative "Flexible Arbeitszeiten". Geworben wird für mehr vollzeitnahe Teilzeitstellen für Mütter und Väter.
Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wird wichtiger
Neben einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf rückt auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege immer mehr ins Blickfeld. Zu dieser Erkenntnis kam Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher nach der Befragung: Sogar 87 Prozent der Bevölkerung sind der Ansicht, dass dieses Thema eine wichtige Aufgabe für die Zukunft darstellt.
Der Großteil meint auch, dass die Pflege am besten von Familienangehörigen übernommen werden sollte. Allerdings befürchten 74 Prozent, dass sich Beruf und Pflege nur schlecht miteinander vereinbaren lassen. Schröder wertete diese Aussagen als Bestätigung für ihr Vorhaben, eine Familienpflegezeit einzuführen.
Nach dem Modell der Familienpflegezeit können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahren auf bis zu 50 Prozent reduzieren. In dieser Zeit beziehen sie 75 Prozent ihres Gehalts.
Zum Ausgleich müssten sie später wieder voll arbeiten. Sie bekämen jedoch weiterhin nur 75 Prozent des Gehalts – so lange, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können so bereits im Vorfeld eines möglichen Pflegefalls in der Familie Zeit für die Pflegephase auf einem Wertkonto ansparen.
Der Mut zum Kind wächst
Eines der erfreulichsten Ergebnisse der neuen Studie: Der Wunsch nach Kindern ist in den vergangen Jahren erstmals seit vielen Jahren gewachsen. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Bevölkerung möchte weitere Kinder haben. Im Jahr 2008 haben diesen Wunsch nur 43 Prozent der Befragten geäußert.
"Im Moment wächst der Mut zum Kind", sagte Köcher. Die Bevölkerung unter 45 Jahren mache ihren Kinderwunsch heute weniger von bestimmten Bedingungen abhängig. Extremes Sicherheitsdenken stehe nicht mehr so im Vordergrund.
