Montag, 26. Juli 2010
Neuanfang mit 50plus
Ein Wiedereinstieg in den Beruf ist vor allem für Ältere nicht leicht. Das weiß auch Marianne Schilling zu berichten. Die gelernte Krippenerzieherin verlor nach der Wende ihre Arbeit. Trotz Umschulung zur Kranken- und Altenpflegerin konnte sie keine Festanstellung finden. Das Programm "Perspektive 50plus" brachte dann ihre persönliche Wende.
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Ältere Arbeitnehmer - Erfahrung ist gefragt
Foto: picture-alliance/ZB
Um die Beschäftigungschancen genau dieser älteren Langzeitarbeitslosen zu verbessern, initiierte die Bundesregierung das Programm „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“. Von den angesprochenen Personen über 50 Jahre konnte bereits jeder Vierte in den Arbeitsmarkt integriert werden. Ein Großteil der noch nicht Vermittelten konnte zumindest soweit aktiviert werden, dass sie in naher Zukunft für den Arbeitsmarkt befähigt werden.
Das Programm bietet nämlich zielgerichtete Weiterbildung und Integrationsbegleitung an. Hiervon konnte auch die 52-jährige Schilling profitieren. Nun arbeitet sie als Betreuungsassistentin im Seniorenheim „Seeblick“ mit demenzkranken Menschen. „Ich gehe jeden Tag mit Freude meinen neuen Aufgaben nach und bin dankbar, dass ich wieder gefordert werde“, betont die Schwerinerin. „Es ist, als hätte man ein großes Stück Lebensfreude wiedergewonnen.“
Faire Chance für Ältere
Das Programm "Perspektive 50plus" läuft seit 2005. Mittlerweile ist es in allen Bundesländern vertreten. Insgesamt 62 regionale Beschäftigungspakte unterstützen das Programm bei diesem Vorhaben. Hierbei werden die jeweiligen regionalen Besonderheiten genutzt. Derzeit sind gut zwei Drittel der Grundsicherungsstellen am Bundesprogramm beteiligt – bald werden alle dabei sein.
Für 2010 ist die Aktivierung von 165.000 älteren Arbeitsuchenden vorgesehen. Davon sollen rund 45.000 in eine sozialversicherungspflichtige Anstellung vermittelt werden. In der Vergangenheit bekamen über 80 Prozent eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, größtenteils sogar unbefristet. Ein weiterer Teil machte sich selbstständig. In der Regel wurde das frühere Tätigkeitsniveau wieder erreicht. Für die Vermittelten ist das eine schöne Perspektive.
Alle profitieren
„Für mich sind es vor allem die Gelassenheit und Lebenserfahrung älterer Mitarbeiter, die von enormer Bedeutung sind“, so Margit Mandt, Heimleiterin des Seniorenzentrums „Seeblick“. „Frau Schilling arbeitet selbstständig und bringt immer wieder neue Ideen ein, auf die wir aufbauen können.“ Sie ist nicht die erste Arbeitskraft, die durch Perspektive 50plus in das Seniorenzentrum vermittelt wurde: 17 der 59 Angestellten sind auf diesem Weg zu einer Anstellung gekommen.
Ältere Arbeitnehmer sind ein Gewinn für den Betrieb. Denn sie bringen neben Fachkenntnis und Zuverlässigkeit auch soziale Kompetenz und Loyalität mit. Sie müssen sich und anderen nichts mehr beweisen. Somit wirken sie als Vorbild für die Jüngeren. Dennoch wird das Arbeitskräftepotenzial älterer Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen viel zu wenig genutzt. Oftmals sind Altersstereotypen Grund für Personalabbau auf Kosten älterer Mitarbeiter.
Doch der Nachwuchs an Fachkräften wird in den kommenden Jahren weiter zurückgehen, während das Durchschnittsalter der Belegschaft stetig wächst. Deshalb ist ein Umdenken erforderlich. Denn wenn Menschen länger produktiv tätig sein sollen, müssen die Unternehmen ihnen auch helfen, ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Experten sind sich sicher: Im Zuge des demografischen Wandels können es sich Betriebe nicht mehr leisten, auf die Erfahrung älterer Menschen zu verzichten.
