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Montag, 26. Juli 2010

Stresstest setzt Zeichen des Vertrauens und der Transparenz

Der Stresstest hat sein Ziel erreicht: Er ergab einen aussagekräftigen und belastbaren Eindruck von der Widerstandsfähigkeit des europäischen Bankensystems. Die Veröffentlichung der Ergebnisse lieferte den Märkten ein Zeichen der Transparenz und trägt so zur Vertrauensbildung bei.

Die Skyline von Frankfurt am Main in der Dämmerung Bild vergrößern Bankenviertel in Frankfurt am Main Foto: picture-alliance/ dpa

Nach dem breit angelegten, europaweiten Bankenstresstest verhalten sich die Märkte normal: Der Branchenindex für Banken hat leicht zugelegt, ebenso der Euro und einige europäische Anleihen.

Die Szenarien des Stresstests nahmen unter anderem eine zweijährige Rezession (mit Rückgang des BIP um drei Prozent), einen Kursverfall an den Aktienmärkten, Zinsanstieg und Kursverfall bei den Staatsanleihen an. Die Belastungsprobe haben Finanzinstitute bestanden, deren Kernkapitalquote auch im strengsten Szenario nicht unter sechs Prozent fiel. Wobei es wichtig ist festzuhalten: Dies waren hypothetische Annahmen im Rahmen einer mathematischen Simulation, nicht Prognosen bevorstehender Entwicklungen an den Märkten.

Natürlich musste der Stresstest die umfangreichen Rettungsschirme für die Finanzinstitute und für den Euro berücksichtigen.

Von 91 getesteten europäischen Finanzinstituten haben lediglich sieben den Stresstest nicht bestanden – das heißt im strengsten der drei Szenarien blieb ihre Kernkapitalquote unter sechs Prozent.

Dazu gehört zwar als einzige deutsche Bank erwartungsgemäß die Hypo Real Estate Holding AG (HRE). Allerdings befindet sie sich derzeit  in einer tiefgreifenden Umstrukturierung. Hierzu gehört die Auslagerung von Risikopapieren in eine Abwicklungsanstalt („Bad Bank“) und eine weitere Kapitalstärkung. Hier bahnt sich eine Lösung an. Dies konnte der Stresstest noch nicht berücksichtigen.

Kernkapital  ist ein wichtiger Teil des Eigenkapitals eines Finanzinstituts. Es besteht aus den Kapitalbestandteilen in der Bilanzsumme, die dem Institut dauerhaft zur Verfügung stehen, zum Beispiel einbezahltes Kapital, Einlagen stiller Teilhaber. Rechtliche Grundlage ist das Kreditwesengesetz (KWG). Kernkapital dient der Absicherung der Kredite.

Die Kernkapitalquote ist das Kernkapital geteilt durch die Summe der Kundenkredite. Internationale Bilanzvorschriften verlangen eine Kernkapitalquote von vier Prozent – das heißt, das Kernkapital deckt vier Prozent aller Kredite ab. Die im Stresstest „verlangten“ mindestens sechs Prozent liegen also deutlich darüber.

Positives Signal

Die deutschen Banken haben im ersten großen europäischen Stresstest gut abgeschnitten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sprach von einem "positiven Signal", das von diesem Test ausgeht.

Insgesamt haben sich deutsche Banken als robust und widerstandsfähig erwiesen. In einigen Fällen ist das Ergebnis sogar sehr gut. Sowohl simulierten - und nicht zu erwartenden - scharfen Wachstumseinbruch als auch Kursverfall bei Anleihen haben sie gut verkraftet. Ihre durchschnittliche Kernkapitalquote stieg in den vergangenen zwei Jahren sogar um rund zwei Prozentpunkte auf derzeit fast 11 Prozent. 

Grund für das gute Abschneiden der deutschen Finanzinstitute sind viele Maßnahmen der letzten zwei Jahren einschließlich von Kapitalzuführungen - auch dank des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes der Bundesregierung.  Für weitere Kapitalstärkung stehen zudem bis Ende dieses Jahres die Instrumente des Finanzmarktstabilisierungsfonds zur Verfügung. Auch dies ein Beitrag zur Finanzstabilität in Deutschland.