Montag, 3. Mai 2010
Energie/Wirtschaft/Verkehr
Elektromobilität: Neue Wege in die Zukunft
Mit vereinten Kräften wollen die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft Deutschland zum internationalen Leitmarkt für Elektromobilität machen. Schon in zehn Jahren sollen hierzulande eine Million Elektromobile fahren: gespeist aus nachhaltig erzeugter Energie.
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Technikschau vor dem Gipfel
Foto: REGIERUNGonline/Gebhardt
Die "Nationale Plattform Elektromobilität" wird die Aktivitäten der verschiedenen Branchen und der Forschung bündeln.
Der erste Elektromobilitätsgipfel in Berlin war sich einig: Ein Jahrhundert nach seiner Erfindung ist es an der Zeit, das Auto neu zu erfinden. Dabei dürfte der Elektroantrieb als einer von mehreren innovativen Technologien eine wichtige Rolle spielen.
Klar wurde beim Treffen der Branche mit Forschung und Politik aber auch, dass es um mehr geht als einfach nur eine neue Antriebsform. Gefragt sind intelligent aufeinander abgestimmte und vernetzte Innovationen: vom Antrieb über eine verlässliche Infrastruktur („Stromtankstellen“) bis zu gut ausgebildeten Fachkräften, die sich auf den Umgang mit der anspruchsvollen Technik verstehen.
Deutschland habe „sehr, sehr gute Voraussetzungen“, auf diesem Feld eine international führende Position einzunehmen, befand Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gemeinsam stünden Wirtschaft und Politik in „partnerschaftlicher Verantwortung“, dieses vielversprechende Ziel zu erreichen. Die Bundesregierung sei jedenfalls fest entschlossen, vernünftige Rahmenbedingungen für die Zukunftsbranche zu setzen.
So fließen etwa aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung allein 500 Millionen Euro in die Förderung der Elektromobilität: 115 Millionen davon in acht Modellregionen mit 190 Einzelprojekten. Akteure aus Wissenschaft, Industrie und den beteiligten Kommunen arbeiten bei diesen Modellprojekten gemeinsam am Aufbau einer Infrastruktur und der Verankerung der Elektromobilität im öffentlichen Raum. Es geht um ein zukunftsfähiges System – finanzielle Anreize zum Kauf von Elektrofahrzeugen sind dagegen nicht vorgesehen.
Die Aufholjagd hat begonnen
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Spitzentreffen: an einem Strang ziehen
Foto: REGIERUNGonline/Gebhardt
Die Mobilität der Zukunft müsse „ressourcenunabhängiger, umweltfreundlicher und nachhaltiger“ sein, sagte Merkel vor den Fachleuten der Nationalen Plattform. Schließlich strebten schon heute an die sieben Milliarden Menschen weltweit nach individueller Mobilität. Das zwinge, neue Wege zu gehen.
Jenen dafür erforderlichen Technologiebereichen, in denen hierzulande heute noch Nachholbedarf bestehe, müsse jetzt die besondere Aufmerksamkeit der „konzertierten Aktion“ von Politik und Wirtschaft gelten. So hätten die Universitäten bereits die vor Jahren abgeschafften Lehrstühle für Elektrochemie wiedereingerichtet, erinnerte die Kanzlerin: Know-how, das für die Entwicklung leistungsfähiger Batteriesysteme unverzichtbar ist.
Neues Denken, neue Ära
Eine der elementaren Aufgaben der Nationalen Plattform Elektromobilität sieht Angela Merkel denn auch darin, die Maßstäbe der Forschungsförderung erfolgsorientiert auszurichten. Aktiv und entschieden müsse das Bildungssystem dem Ingenieursmangel begegnen. Ebenso gelte es, rechtzeitig neue Berufsbilder für die neue Technik zu entwickeln.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan verwies beim Gespräch nach dem Gipfel auf erste Erfolge bei dem Bemühen, mehr junge Menschen für naturwissenschaftliche Studiengänge zu begeistern. Zugleich betonte sie die gestiegene Bedeutung interdisziplinärer Forschungs- und Entwicklungskonzepte für Querschnittstechnologien wie die Elektromobilität.
Deutschland einzigartig gut aufgestellt
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle erinnerte daran, dass die deutsche Industrielandschaft für die Technologieführerschaft auf diesem Gebiet geradezu geschaffen sei. Nirgends sonst auf der Welt gebe es schließlich derart leistungsfähige „Cluster“ aus Automobilherstellern, Zulieferunternehmen und Forschungseinrichtungen. „Jetzt entwickeln wir das Automobil neu“, erklärte Brüderle entschlossen.
Bereits auf der Hannover Messe hatte sich kürzlich gezeigt, dass die Unternehmen diese Herausforderung entschlossen angehen: vom Autobauer über die Batteriehersteller bis zu den Lieferanten der so wichtigen Ladetechnologie. Allerdings nicht nur die deutschen.
Die „Nationale Plattform Elektromobilität“ setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Politik, der Industrie und Wissenschaft, der Kommunen sowie der Verbraucher. Sie hat den Auftrag, den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität zu koordinieren und in die Praxis umzusetzen. In sieben Arbeitsgruppen sollen die Fachleute der Automobil- und Energiewirtschaft jetzt zunächst die Marktchancen der Elektromobilität ausloten. Weitere aktuelle Themen: die Weiterentwicklung der Speichertechnologie und die Aufstellung internationaler Standards und Normen.
Das Ziel lautet, Deutschland langfristig zu einem Leitmarkt für Elektromobilität zu entwickeln und schon bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen.
Eine Gemeinsame Geschäftsstelle Elektromobilität der Bundesregierung (GGEMO) bündelt die Aktivitäten der Bundesregierung nach innen und unterstützt zugleich die Nationale Plattform Elektromobilität. Sie hat sie ihren Sitz im Bundeswirtschaftsministerium.
