Freitag, 19. Februar 2010
Berufsausbildung: Jetzt bewerben!
Für Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Schulabschluss wird es Zeit, sich um eine Ausbildungsstelle zu bewerben. Vom Bundespresseamt geförderte Expertentelefonaktionen bei regionalen Medien geben erste Tipps.
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Detlef Cierzniewski (rechts) bei der Telefonaktion der MAZ
Foto: Gartenschläger/MAZ
Frau Gebarek aus Heinsdorf ist der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) und Detlef Cierzniewski von der Handwerkskammer Potsdam sehr dankbar. Ihre Tochter wollte unbedingt Zimmerin werden. Trotz Realschulabschluss und guten Noten reagierten die meisten Betriebe nicht einmal auf ihre Bewerbung. Da rief sie bei der von der Bundesregierung geförderten Telefonaktion der MAZ an und sprach mit Cierzniewski. Er nannte ihr einen Betrieb in Neuruppin, wo es sofort mit der Lehrstelle klappte. Inzwischen ist die junge Frau im zweiten Lehrjahr und trotz vieler blauer Flecken glücklich mit ihrer Berufswahl.
Auch wenn sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt entspannt, ist Beratung wichtig. Darauf weisen die Expertinnen und Experten der bundesweit laufendenden Telefonaktionen hin. Die rückläufigen Schülerzahlen machen es zwar leichter, eine Lehrstelle zu finden. Ob der gewählte Beruf aber wirklich geeignet ist und eine gute Perspektive besitzt, kann nur gemeinsam mit der Berufsberatung geklärt werden. Telefonaktionen sind dafür ein guter Einstieg. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wohin sollte ich mich als Schüler zuerst wenden?
Der erste Weg sollte Sie stets zur Berufsberatung Ihrer regionalen Agentur für Arbeit führen. In einem ausführlichen Beratungsgespräch wird dann überlegt, welcher Berufsweg am besten zu Ihren Neigungen und Fähigkeiten passt. Dabei werden auch die Chancen auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz erörtert, was natürlich auch von den schulischen Leistungen abhängt.
Wann muss ich mich um einen Ausbildungsplatz bewerben?
Das ist unterschiedlich. Großbetriebe, Banken und der öffentliche Dienst erwarten schriftliche Bewerbungen bereits zum Beginn des letzten Schuljahres, also ein Jahr vor Ausbildungsbeginn. Kleinere Betriebe vor allem im Handwerk entscheiden dagegen oftmals erst kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres, ob sie eine Lehrstelle anbieten. Trotzdem sollte man auch hier bereits einige Monate vor Ausbildungsbeginn anfragen.
Wie erfahre ich, welche Betriebe Ausbildungsstellen anbieten?
Auch hier ist die Berufsberatung erster Ansprechpartner. Darüber hinaus können Sie sich an Ihre regionale Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer wenden. Diese Beratungsstellen wissen, welche Betriebe in der Region noch Auszubildende suchen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Ausbildungsplatzbörsen im Internet.
Wie bewerbe ich mich um einen Ausbildungsplatz?
Wenn eine Stelle ausgeschrieben wird, steht meist auch dabei, wie man sich bewerben muss. Die meisten Betriebe erwarten eine schriftliche Bewerbung, viele fordern die Unterlagen mittlerweile aber auch per Mail.
Bei kleineren Betrieben sollten Sie am besten vorher telefonisch fragen, ob Sie sich persönlich mit Ihren Bewerbungsunterlagen vorstellen können. So können sich die Betriebsinhaber selbst ein erstes Bild von Ihnen machen. Sie sollten anbieten, ein kurzes Praktikum im Betrieb zu machen. Damit signalisieren Sie Ihr Interesse für den Beruf und können Ihre Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit unter Beweis stellen.
Wie sollte meine schriftliche Bewerbung aussehen?
Vor allem sauber, ordentlich und ohne Rechtschreib- oder Grammatikfehler. Sie besteht aus einem Bewerbungsschreiben, Foto, Lebenslauf und Zeugniskopien. Die Arbeitsagenturen, aber auch viele andere Stellen, bieten kostenloses Informationsmaterial mit Musterschreiben an. Es hängt vom Berufsfeld ab, ob Sie ein Standardschreiben schicken oder sich etwas Originelles ausdenken sollten.
Was ist beim Vorstellungsgespräch zu beachten?
Wichtig ist, dass Sie angemessen, ordentlich gekleidet zum Vorstellungsgespräch erscheinen. Bei einem Handwerksberuf wird kein Anzug erwartet, bei einer Bank schon. Sie sollten über den Beruf und Betrieb gut informiert sein. Sie müssen mit Fragen rechnen, warum Sie den Beruf erlernen wollen und was Sie von der Ausbildung erwarten. Sie werden oftmals zu Ihren Freizeitaktivitäten befragt. Auch die Frage: Warum Sie sich für geeignet halten, wird häufig gestellt.
Was muss ich tun, wenn es mit meinem Wunschberuf nicht klappt?
Bei manchen Berufen ist die Nachfrage ganz besonders hoch, beispielsweise bei Kfz-Berufen. Sie sollten sich daher von vorneherein Alternativen überlegen und sich parallel bewerben. Wenn Sie dann mehrere Angebote zur Auswahl haben, können Sie das attraktivste annehmen.
Selbst wenn Sie bereits einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben, können Sie ihn wieder kündigen. Sie sollten es dem Betrieb aber rechtzeitig mitteilen, damit andere Bewerberinnen und Bewerber eine Chance auf die Stelle bekommen.
Was kann ich machen, wenn es gar nicht mit einer Ausbildungsstelle klappt?
Zunächst einmal: nicht aufgeben. Ausbildungsverträge werden noch bis zum Jahresende, mitunter sogar darüber hinaus geschlossen. In Nachvermittlungsaktionen erhalten alle Ausbildungssuchenden noch Angebote, vorausgesetzt sie sind bei der Arbeitsagentur als ausbildungssuchend gemeldet. Zu den Angeboten gehören neben Ausbildungsplätzen auch die so genannten Einstiegsqualifizierungen. Das sind betriebliche Praktika, die auf die Ausbildung vorbereiten und häufig unmittelbar in einen Ausbildungsplatz überleiten.
Zusätzlich bieten die Arbeitsagenturen berufsvorbereitende Maßnahmen an, in denen sich mitunter ein Schulabschluss nachholen lässt.
