Die Marke von zwei Grad Erderwärmung gilt als wissenschaftlich anerkannte Grenze, um die gravierendsten Folgen der Klimaveränderung abzuwenden.
"Von den Vereinigten Staaten von Amerika bis Japan und Europa werden alle genau für dieses Ziel arbeiten", berichtete Merkel nach den ersten Gesprächen im italienischen L’Aquila. Das Ergebnis bedeute einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem G8-Gipfel des vergangenen Jahres in Japan sowie gegenüber dem Heiligendammer Gipfel vor zwei Jahren. "Deshalb bin ich sehr zufrieden mit dem ersten Tag", sagte Merkel.
Rahmen für weitere Klimaschutzverhandlungen
Was die mittelfristigen Klimaschutzziele anbelangt, bleibt noch viel Arbeit zu leisten. Doch der Rahmen für die Verhandlungen steht: ein bedeutender Schritt vor der Kopenhagener Klimaschutzkonferenz der Vereinten Nationen (UN) Ende des Jahres. In der dänischen Hauptstadt berät die internationale Staatengemeinschaft im Dezember über Klimaschutzverpflichtungen für die Zeit nach dem Ende des Kyotoprotokolls im Jahr 2012.
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Gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortung
In den morgigen Gesprächen mit den wichtigsten Schwellenländern (den so genannten G5) wird es darum gehen, welchen Beitrag diese zum Zwei-Grad-Ziel leisten können. Die G8 wollten mit aufstrebenden Ländern darüber sprechen, "wie wir eine gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortung wahrnehmen", sagte die Kanzlerin. Nach Auffassung der G8-Staats- und Regierungschefs sollte der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen auf 50 Prozent verringert werden. Die G8-Staaten müssten ihre Emissionen um mindestens 80 Prozent bis zum Jahr 2050 gegenüber 1990 reduzieren.
Zu den G5-Staaten zählen Brasilien, Indien, China, Mexiko und Südafrika: stark wachsende Volkswirtschaften an der Schwelle zum Industrieland.
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Nach der Krise zur nachhaltigen Haushaltsführung
Positiv wertete Merkel auch die heutigen Beratungen zur Wirtschafts- und Finanzkrise. "Hier gab es eine große Übereinstimmung", stellte sie fest. Bis zum bevorstehenden G20-Treffen im September in den USA gelte es, die Arbeit an einer neuen internationalen Finanzmarktverfassung entschieden voranzutreiben. Daran hätten alle Staaten ein großes Interesse: "Damit sich eine Krise wie die aktuelle nicht wiederholt."
Thema der wirtschaftspolitischen Beratungen in L'Aquila war auch die unabdingbare Rückkehr zum nachhaltigen Haushalten nach der Krise. Dabei machte die Bundeskanzlerin deutlich: "Die Betonung liegt auf "nach der Krise". Alle G8-Partner seien sich einig gewesen, dass diese Finanz- und Wirtschaftskrise noch lange nicht überwunden sei. "Wenn wir Glück haben, haben wir die Talsohle jetzt bald erreicht."
Die G8-Staaten stimmten überein, dass die Staaten so genannte Exit-Strategien zum Ausstieg aus den Konjunkturprogramm entwickeln müssen, die die Länder zur Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise aufgelegt haben. Diese Strategien sollten allerdings auf die nationalen Gegebenheiten der Länder abgestimmt werden und langfristig wirken, heißt es in einer Erklärung.
Hinsichtlich des Welthandels wollen die G8-Staaten die globalen Märkte offenhalten und gegen Protektionismus vorgehen. Gerade in der derzeitigen Krise besteht die Gefahr, dass einzelne Länder versuchen, ihre Märkte abzuschotten. Die Welthandelsgespräche innerhalb der Doha-Runde zur Liberalisierung des Handels müsste zudem schnell abgeschlossen werden, fordern die Staats- und Regierungschefs der G8 in einer Erklärung.
G8 + G5 + 3
Am Donnerstag erweitern die G8 die Beratungen zunächst um die G5-Staaten, bevor am Nachmittag noch die fehlenden Regierungen der so genannten MEF-Staaten hinzukommen.
Im "Major Economies Forum" (MEF) bereiten Australien, Brasilien, Kanada, China, Deutschland, die Europäische Union, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Mexiko, Russland, Südafrika, Südkorea und die USA die bevorstehende Weltklimakonferenz vor. So beraten morgen Nachmittag 16 Staats- und Regierungschefs der bedeutendsten Volkswirtschaften der Erde über den Klimawandel und den Welthandel.
"Wir müssen die großen Herausforderungen gemeinsam angehen", hat Angela Merkel immer wieder betont. Die Aussichten dafür scheinen gut.

