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Ziel: Bildungsrepublik Deutschland

Do, 12.06.2008
Ein Berliner mit einer Zeitung, in der überraschend die Währungsreform in den drei westlichen Besatzungszonen bekanntgegeben wird
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Foto: picture-alliance/ dpa
Juni 1948: Der Tag der Währungsreform ist da
Ist die soziale Marktwirtschaft nach 60 Jahren noch zeitgemäß? Ja, doch Ludwig Erhards Motto gilt es heute weiter zu fassen: "Wohlstand für alle heißt heute Bildung für alle", ist Bundeskanzlerin Angela Merkel überzeugt. Dieser Herausforderung will sich die Kanzlerin persönlich annehmen – mit einer Bildungsreise und einem Bildungsgipfel.
Merkel kündigte die Reise in ihrer Rede auf der Festveranstaltung zum 60. Jahrestag der Sozialen Marktwirtschaft an. Sie führt sie "durch die Bildungsrepublik Deutschland, vom Kindergarten bis zur Seniorenfakultät, von der Berufsschule bis zur privaten Eigeninitiative, in Gesprächen mit Experten und Bürgern."
 
Diese Reise wird in einem nationalen Bildungsgipfel münden. Den wird die Bundeskanzlerin gemeinsam mit den Bundesländern im Oktober dieses Jahres durchführen. Denn die Menschen dieses Landes interessierten sich nicht für Zuständigkeiten", sagte sie. Sie erwarten, dass Verantwortung übernommen wird.
 

Herausforderung Globalisierung

 
Merkel erinnerte an den "großen Gestalter Ludwig Erhard", der die soziale Marktwirtschaft prägte. 1948 lag das Land in Trümmern, die Deutschen waren wegen des Nazi-Terrors geächtet. Die Spaltung Deutschlands drohte. Die Wirtschaft lag am Boden, das Geld war nichts mehr wert.
 
Bundeskanzlerin Angela Merkel während der RedeFoto: REGIERUNGonline / Bergmann Vergrößerung Merkel würdigt 60 Jahre soziale Marktwirtschaft
 
In dieser Situation wollten die Alliierten eigentlich nur eine neue Währung. Aber Erhard war überzeugt: Eine Währungsreform kann nur mit einer Wirtschaftsreform gelingen. Er konnte kaum jemanden überzeugen, blieb aber stur. Das Ergebnis war die soziale Marktwirtschaft. Wirtschaftswunder und "Wohlstand für alle" prägten lange. 
 
 
Seit 1948 hat sich die Welt verändert. Das Wort "Globalisierung" bringt die Veränderung auf den Punkt. "Wie schaffen wir es, dass alle an den Chancen unserer globalen Zeit teilhaben können?", fragte Merkel.
 

Einstieg und Aufstieg

 
Die wichtigste Antwort für die Kanzlerin lautet: Marktwirtschaft kann nur überzeugen, "wenn unsere Gesellschaft Einstieg und Aufstieg möglich macht. Geht das verloren, wenden sich die Menschen von uns ab", sagte Merkel.
 
Dazu müssten die Talente aller Menschen gefördert werden, die der Einheimischen genau so wie die der Zugezogenen.
 
Sie erinnerte an sehr Erfolgreiche, deren Leistungen das ganze Land beeindruckt: den Sturm der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Das sind alles Männer mit Migrationshintergrund. Für die Kanzlerin das beste Beispiel dafür, dass "Einstieg in den Aufstieg" möglich ist.
 
Sie erinnerte auch daran, dass Deutschland einer der großen Gewinner der Globalisierung ist. "Aber nicht alle können daran teilhaben." Deshalb braucht es neue Ideen.
 
Und die könnten nicht reflexartig in mehr Geld ausgeben bestehen. Möglichst alle Menschen sollten arbeiten. Aber einen Mindestlohn lehnt sie als "Jobkiller" ab.
 
Stattdessen plädierte sie für eine Aufstockung durch den Staat, wenn der Lohn unter einem Mindesteinkommen liegt. Auch deshalb, weil die Erfahrung zeigt: Langzeitarbeitslose kommen dadurch wieder in Arbeit.
 
Jeder solle einen Einstieg in Arbeit finden und damit auch einen Einstieg in den Aufstieg. "Aus allen Talenten, die wir haben, müssen wir etwas machen", forderte die Kanzlerin.
 
Und damit war sie wieder bei ihrer zentralen Forderung: Bildung! "Wir müssen die Bildungsrepublik Deutschland werden", so Merkel.
 

Voraussetzungen für "Bildung für alle"

 
Merkel nannte unter anderem folgende Bedingungen:
  • Jeder Mensch muss seine Chancen nutzen können, unabhängig vom sozialen Status der Eltern.

  • Migranten müssen in unsere Gesellschaft integriert werden. Immerhin stammen in den Großstädten bereits 40 bis 50 Prozent der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund.

  • Mehr Menschen in Arbeit bringen, keine neue Schulden aufnehmen.

  • Lebenslanges Lernen - von der Kindheit bis ins Alter - um den Anforderungen der Globalisierung gerecht zu werden.

  • Mehr Mitverantwortung an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Unternehmen übertragen.

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