Im Kapitol besichtigten die Bundeskanzlerin und der Ministerpräsident am Abend die Originale der "Römischen Verträge". Die Bundeskanzlerin sprach von einem bewegenden Erlebnis: "Hier spürt man, aus welchen Wurzeln die EU entstanden ist." Für Deutschland hatte seinerzeit Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnet. Die historischen Dokumente sind Teil einer Ausstellung mit europäischen Kunstwerken und Schätzen aus drei Jahrtausenden.
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Die Union braucht stärkere Institutionen
Zunächst soll dazu beim informellen Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs kommendes Wochenende eine "Berliner Erklärung" verabschiedet werden. Sie soll Orientierung über die gemeinsamen Werte und künftigen Aufgaben der EU geben.
Auf dem Ratstreffen im Juni werde dann ein "Fahrplan" für den weiteren Verfassungsprozess aufgestellt, sagte Merkel. Prodi, der von 1999 bis 2004 selbst Präsident der EU-Kommission war, erklärte: "Wir wollen mit gestärkten Institutionen in die Europawahlen 2009 gehen."
Die Union heute: ein internationaler Akteur
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Merkel und Prodi gaben anschließend ein entschiedenes Bekenntnis zum Multilateralismus ab. Die Kanzlerin plädierte dafür, das Thema Raketenabwehr im Nato-Russland-Rat zu behandeln, und nicht nur bilateral. Es gelte, das Vertrauen Russlands in seine Partner zu bewahren. Alleingänge seien da hinderlich. "Europa gelingt gemeinsam", zitierte die Kanzlerin das aktuelle Motto der deutschen EU-Präsidentschaft. Um hinzuzufügen: "Aber eben auch nur gemeinsam."
Gemeinsam weiter in Afghanistan
Auf der Tagesordnung stand ferner die künftige Afghanistanstrategie der Union. Italien plant für April eine Geberkonferenz der am Aufbau des Landes beteiligten Länder. In Berlin war Merkel am Mittag mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zusammengetroffen. Karsai hatte dabei ausdrücklich die Entscheidung des Bundestages begrüßt, deutsche Tornados zu Aufklärungszwecken nach Afghanistan zu entsenden.
Angesichts der im Irak entführten deutschen Geiseln wiederholte die Bundeskanzlerin, Deutschland werde sich nicht erpressen lassen. Die Kidnapper fordern, dass Deutschland alle Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan abzieht. Die italienische Regierung sah sich ebenfalls zwei Wochen lang mit Forderungen von Geiselnehmern konfrontiert. Der in Afghanistan verschleppte italienische Journalist kam am Nachmittag frei.
Gipfeltreffen und Europafest in Berlin
Am kommenden Wochenende feiert die Europäische Union ihren 50-jährigen Geburtstag mit einem großen Fest in Berlin. Parallel zum informellen Treffen der 27 Staats- und Regierungschefs werden Zehntausende Europäerinnen und Europäer in der Hauptstadt erwartet. Gefeiert wird am Brandenburger Tor, in den Museen und in den Diskotheken der Hauptstadt.
"Berlin war Symbol der Teilung Europas, jetzt ist es Symbol der europäischen Einigung", resümierte Romano Prodi den Weg Europas von Rom nach Berlin. Ob die sechs Gründer der EU wohl mit einer derart beeindruckenden Entwicklung innerhalb nur eines halben Jahrhunderts gerechnet hätten?

